Zwei gehen von Bord

Wer die Begeisterung der Zuschauer und die Kommentare des Streckensprechers verfolgt hat, dem kann nicht entgangen sein, dass wir dort willkommen sind, zumal die Strecke und deren Charakter unseren Fahrern scheinbar sehr entgegen kommt.

Im Vorfeld von Poznan 2015 hatte ich so meine Bauchschmerzen. Da waren ein paar Sachen aufgelaufen, die meine grauen Haare auf alle Fälle nicht weniger werden ließen.

Wir waren mit der Saison noch nicht am Ende und die HAIGO-Kasse hat dieses Jahr ein großes Loch.
Die Teilnahme unserer Fahrer war auch aus verschiedenen Gründen geschrumpft und die Meldung, dass wir in ein neues Fahrerlager umziehen mussten, hat ja auch so seine Tücken. Das einzig beruhigende war, dass die Wettervorhersagen positiv waren und wir an allen drei Tagen einen wirklich schönen „Altweibersommer“ hatten.
Zum Glück retteten mich die Nennungen der polnischen Fahrer und am Ende ein hervorragendes „Entgegenkommen“ des Rennleiters. Der Preisnachlass war aber an das Versprechen gebunden, dass die HAIGO nächstes Jahr unbedingt wieder in Poznan zu Gast sein soll. Der Grund dafür waren ganz sicher die hervorragenden Rennen, die wir dort abgeliefert haben.

Meinem Wunsch, schon am Freitag ein freies Training und dann am Samstag und Sonntag jeweils ein Qualifying und ein Rennen zu fahren, wurde genauso entsprochen, wie der Wunsch das letzte Rennen am Sonntag- Nachmittag nicht so spät zu starten. Also alles im grünen Bereich, bis auf ein paar Dinge, die wir eben dort akzeptieren müssen. Ich denke da besonders an die Toiletten, die am Sonntag-Morgen einfach übergelaufen waren oder dass die Stromversorgung eben ab-und zu mal ausgefallen war. Werner Liebers kochte dann eben für viele, mit einer DDR-Lötlampe, Kaffee!!!
Diese Charaktereigenschaften sollten wir uns eben doch bewahren, denn das ist es eigentlich was Spaß macht und die Truppe zusammen hält.
Weil ich gerade bei Werner Liebers bin, muss ich hier meine Überschrift erklären. Werner Liebers und Jens-Dieter Maik, werden die HAIGO definitiv 2015 verlassen. Beide hören mit dem aktiven Rennsport auf, bleiben uns aber am Ende doch irgendwie erhalten. Werner Liebers hat versprochen, dass er den einen oder anderen Gaststart machen wird und Jens-Dieter Maik, wird der Schrauber von unserem neuen „Küken“ Martin Kuntze. Der Name „Kuntze“ sagt im Moment noch nicht viel, aber Martin wird das Auto des uns allen unvergessenen Klaus Tanzmann, mit der Startnummer „68“ an den Start bringen. Dazu wünschen wir ihm alle viel Erfolg und gutes Gelingen, denn die Spuren von Klaus sind doch ganz schön groß, für so einen jungen Mann.

Das freie Training und die Qualifyings überspringe ich hier mal und beginne mit dem ersten Rennen der Formel am Samstag gegen 15.40 Uhr.
Die eigentliche Überraschung ist, dass Nils-Holger Wilms nicht auf der Pole steht, sondern Falk Schwarze und dann kommen noch Thomas Hoffmann, Toni Koitsch, Jaak Kuul und dann erst der Melkus mit Wilms. Allerdings gewinnt der Weggefährte von Ulli Melkus gleich mal den Start und ist in der ersten „Rechts“ schon in Front. Tobias Worm hatte im Qualifying einen unliebsamen Kontakt mit der Leitplanke und startete sicherheitshalber aus der Boxengasse. Erste Runde, Hoffmann- Toni Koitsch – Jörg Koitsch – Kuul + Thalmann im Paket an Start-und Ziel vorbei. Aufregung in den Boxen – Falk Schwarze fehlt – kommt aber am Ende des Feldes doch noch, ohne sichtbaren Schaden am Auto. Fazit hinterher – Bremspunkt verpasst und Abflug ins Kiesbett – kann eben auch mal passieren, aber dabei die Pole verspielt.
Der Vorsprung von Thomas Hoffmann auf Wilms ist schon groß, so dass eigentlich nicht mehr viel passieren kann. Aber wer vorne weg rechnet, muss zweimal rechnen, sagte meine Tante Charlotte immer und sie hat auch dieses Mal Recht behalten. Thomas Hoffmann bekam Probleme mit seinen Reifen, der Grip ging langsam verloren und Wilms hatte scheinbar nur darauf gewartet. Dann kamen seine geschonten Reifen zum Tragen und er siegte ganz überlegen vor Hoffmann und Kuul. Dahinter folgten mit „Respektabstand“ Toni Koitsch, Thalmann, Jörg Koitsch, Jens Maik und dann schon der junge Pole Blazej Woiciechowski mit seinem Promot 02. Mit Falk Schwarze und dem Polen Tomasz Sikora hatten wir nur zwei Ausfälle zu verzeichnen, obwohl es eigentlich schon mal wieder ein richtiges Formelrennen war, bei dem keine Sekunde freiwillig verschenkt wurde. Durch die Nennungen der Polen in der Formel Easter, hatten wir endlich wieder eine Tageswertung in der Klasse, was aber nur Guido Ketzmarick viel nützte, da er der „Einzige“ war, der in der HAIGO eingeschrieben ist.
Es siegte in der Easter: Lech Wojciechowski vor Andrzej Fontanski und Guido Ketzmarick.

Sonnabend – 16.25 Uhr
Die ganze Start-Prozedur in Poznan ist noch ein wenig von „Gestern“, denn dort ist der Start nicht bei „Rot aus“, sondern, wie früher, bei „Grün an“. Der Rennleiter betont das bei jeder Fahrerbesprechung besonders, wie auch die Tatsache, dass das Rennen eben nach 20 Minuten und einer Runde endet. Das wird vom Turm extra groß angezeigt, aber unsere älteren „Herren“ sind eben der Meinung, dass sie das doch sowieso alles schon längst wissen und quatschen im „Briefing“ was das Zeug hält. Nun hat es Einen mal richtig erwischt, eigentlich tut er mir wirklich leid, weil sein Auto nach so langer „Durststrecke“ nun endlich mal richtig rannte und dann versagte der Fahrer.
In dem Falle war es Michel Krings, der Sohn des bekannten Schleizer Motorradrennfahrer und langjährigen Funktionär auf dem Dreieck, Arthur Krings. Michael machte alles richtig, ließ seinen gesundeten Zastava rennen was das Zeug hielt, machte Platz um Platz gut. Dann zeigte die große rote Uhr am Turm 00.00 an, das Schild „Last Lap“ ignorierte Micha einfach und beendete sein Rennen. Seinen beiden „Getreuen Schraubern“ war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, ihr „Chef“ hatte eine schöne Platzierung weg geworfen. Im Sonntag Rennen machte er dann alles richtig, aber das erzähle ich später.
Trotz dieser Ampel-Konfusion kamen unsere Tourenwagen dieses Mal ohne Fehlstart aus und hauten ab, als ob es hinter ihnen brennt. Wie schon in Brno, treiben sie einen die pure Freude ins Gesicht. Obwohl ich dieses Mal über die Formel nicht meckern kann, aber diese HAIGO-Tourenwagen sind der Hammer. Die Polen waren aus dem „Häuschen“ und von allen Seiten wurde mir nur Begeisterung entgegen gebracht. Die Abstände zwischen den Autos sind beängstigend und zu meiner Angst mischt sich immer wieder Freude, sie kommen alle ohne Blessuren und wieder gesund ins Fahrerlager. Ihr Blechauto-Treter, wenn ihr das konservieren könnt und nächstes Jahr im ADAC-GT-Masters so eine Show bietet, dann wird man von uns begeistert sein. In der ersten Runde kann nur noch die Elektronik helfen, die Reihenfolge zu schreiben ist auch mit Ansage unmöglich. In 2,11 Sek. passierten Dieter Hoffmann, Rocco Berger, Kai Roßner, Guido Steinmann, Sebastian Dross und Maik Thomas die Ziellinie. Dahinter folgen ganz dicht Peter Gröning, Michael Weißenborn, Werner Liebers, Dirk Förster, Michael Krings und etwas zurück Fritz Berger und Jonny Schönfelder. Bei Fritz Berger läuft dieses Jahr so gut wie gar nichts, der Umstieg von Front auf Hecktriebler, scheint dem Fritz mehr zu schaffen zu machen, als vorher geplant. Dafür haut aber sein Sohn Rocco gewaltig auf die Pauke, leider zu spät, die Saison ist nun tatsächlich vorbei.
Leider mussten Dieter Hoffmann und Guido Steinmann mit technischen Defekten in Runde sechs vorzeitig aufgeben, sonst wäre es dort vorn noch enger zu gegangen. Ich hatte das ja schon im letzten Bericht von Brno erwähnt, aber was dieses Jahr mit dem Kai Uwe Roßner vorgeht, dass ist schon ein wenig beängstigend. Keine Dreher, keine technischen Ausfälle, nur einfach Spaß an der Sache und das sieht man ihm in jeder Kurve an. Ich bin extra im Training mal raus an die Strecke gefahren und habe mir mal den neuen „Roßner“ angesehen, einfach Klasse. Ruhig, sauberer Strich, keine Gewaltaktionen, alles im grünen Bereich und sehr schnell. So war es dann für mich auch keine große Überraschung mehr, dass Kai dieses Rennen vor Rocco Berger und Sebastian Dross gewinnen konnte. Die Meisterschaft hat er dieses Mal noch nicht gewonnen, aber es könnte bald soweit sein, warten wir es ab, ich freue mich schon darauf.

Sonntag – 14.05 Uhr
Unsere Formel hat das zweite Qualifying absolviert. Nur Falk Schwarze fehlte, durch Motorschaden konnte er nicht am zweiten Rennen teilnehmen, schade.
Papa Worm hatte mit viel Einsatz und Erfahrung, den MT 77 von Tobias wieder auf die Beine gebracht und so konnte er von Platz zehn ins Rennen gehen. Wieder Thomas Hoffmann auf der Pole, gefolgt von Toni Koitsch und Jaak Kuul. Wilms nur auf Platz sechs, ob er da noch was ausrichten kann?
Er konnte, nicht ganz so furios wie am Vortag, fuhr aber immerhin noch auf Platz drei ins Ziel. Obwohl er in Runde sechs tatsächlich an der Spitze auftauchte und versuchte sich dort fest zu setzen. Es gelang ihm aber nicht, denn Thomas Hoffmann und Jaak Kuul (Estland) drückten wie toll aufs Tempo und verdrängten Wilms wieder von der Spitze. Dann kam die Zeit des cleveren und ausgefuchsten Jaak Kuul. Eine Runde vor Schluss setzte er alles auf eine Karte, bremste Thomas Hoffmann am Ende der Geraden aus und gewann 2015 in Poznan. Hinter Hoffmann kämpften Wilms und Toni Koitsch um jeden Zentimeter, am Zielstrich war Wilms der glückliche Zweite und hatte gerade mal eine Nasenlänge Vorsprung. Keinen schönen „Abgang“ hatte Jens Maik (Nase) und ich hätte es verhindert, wenn ich es gekonnt hätte. Jens wollte bestimmt sein letztes Rennen irgendwie mit Freude und Spaß fahren, aber die Rennleitung war da anderer Meinung. Er legte einen „blitzsauberen“ Fehlstart hin und musste zur Strafe eine „Ehrenrunde“ durch die Boxengasse fahren. Jens, ich habe mit dir gelitten, ehrlich. Aber auch weiterhin alles Gute als Schrauber bei Martin, denn dann bist du ja immer Gast in der Boxengasse.

Sonntag – 14.50
Die Tourenwagen werden auf die Reise geschickt und Rocco Berger und Sebastian Dross schießen los wie von der Tarantel gestochen. Kein Fehlstart – welch ein Wunder, aber die haben da schon eine Lösung gefunden. Die E-Schleife liegt genau unter dem waagerechten Strich vor dem Auto und wenn man da einen halben Meter Abstand lässt, dann kann man schon mal ein wenig „zucken“ ohne das da gleich was passiert. Wer im Jahr zehn internationale Rennen fährt, der hat dann schon die nötige „Kälte“ und die Nerven um diese schwierigen Momente eines Rennstarts zu bewältigen.
So kommen sie aus der ersten Runde – Rocco Berger, Sebastian Dross, Kai Roßner, Peter Gröning, Maik Thomas, Michael Weißenborn, Guido Steinmann und Dirk Förster. Ganz lange kann sich Rocco Berger an der Spitze halten, ganze neun Runden führt er das Feld ganz souverän an und dann ist da plötzlich dieser Kai Uwe Roßner da. Maik Thomas lässt diplomatisch abreisen, ihm darf nichts passieren, dann ist er der Meister 2015 und Rocco Berger übernimmt wieder die Spitze. Der Streckensprecher kommt gar nicht mehr runter, er kann von seinem Standpunkt auch die Gegengerade einsehen und da stimmt schon wieder alles von vor einigen Minuten nicht mehr. Er hat Mühe die deutschen Namen richtig auszusprechen und so macht er eben einfach alles durch einander. Das ist aber allen vollkommen egal und er schreit einfach nur noch HAIGO-HAIGO-HAIGO – fantastisch ! Dann steht die Uhr wieder auf null, die letzte Runde läuft, diese Mal hat Michael Krings aufgepasst, kämpft der Reihe nach Dirk Förster, Fritz Berger, Werner Liebers, Guido Steinmann und Michael Weißenborn nieder und kommt überglücklich auf Platz fünf über die Linie und wird abgewinkt.
Am Ende hatte ich eine total phantastische Sch…saison, weil das Geld hinten und vorn nicht reichen wollte, aber ihr alle habt es geschafft, dass ich mit euch glücklich bin und das ist ja wohl die Hauptsache. Heute, am 05.10.2015 habe ich den Antrag für die internationale Lizenz der HAIGO beim DMSB in Frankfurt zur Weiterleitung zur FIA nach Paris abgeschickt. Ich glaube wir gehen alle gern in die „zwölfte“ Saison mit der HAIGO und so wie es jetzt aussieht, wird uns das auch wieder gelingen.

Bis zum 07.Novenber 2015 in Siebenlehn, die „Pink Socks“ habe schon für euch bestellt.

Stromhardt Kraft