Wintersport in Oschersleben

Auf jeden Fall war das für die Fahrer, Mechaniker und Helfer der HAIGO kein Aprilscherz, sondern anstrengende Tage, die man nicht unbedingt haben muss. Das dieser frühe Start in die Saison 2012 nicht willkürlich gewählt wurde, hat seine Ursachen, die stehen aber auf einem ganz anderen Blatt Papier. Für mich und Anett begann das Rennen eigentlich schon am Donnerstag, den 29.03.2012, denn das „Orga – Meeting“ war an dem Tag schon auf 17:00 Uhr angesetzt. Bei diesen Treffen der Organisation und der Teamchefs, werden immer die letzten Informationen bekannt gegeben und man weiß dann, was geht und was nicht geht. Das mit der neu gestalteten Leitung des ADAC-GT-Masters, auch ein neuer Wind bläst, war zu erwarten. Deshalb war ich auch sehr überrascht, dass die „Bürokratie“ mehr, statt weniger geworden war. Die HAIGO-Familie sah sich plötzlich mit Dingen konfrontiert, die sie bis dahin noch nicht kannte. Wahrscheinlich aber, müssen wir uns nun daran gewöhnen, dass z.B. kein PKW mehr ins Fahrerlager darf und das man mit dem Ticket „Truck“, nur einmal das Fahrerlagertor passieren darf. Wir „Ossis“ haben schon andere Dinge überstanden, wir werden auch das überstehen und uns als „die Gastserie“ der ADAC-GT-Masters, so gut wie möglich präsentieren. Das uns dies, trotz der „Sibirischen“ Kälte, gelungen ist, kann ich heute ohne Wenn und Aber, mit Stolz berichten.

Das freie Training, am späten Nachmittag des Freitags, verlief ohne nennenswerte Ereignisse ab und alle hatten ihre Hausaufgaben, über den Winter gut gemacht. So konnte also das Qualifying, am Samstag früh 8:00 Uhr und bei Temperaturen von +2,4 Grad (!) in Angriff genommen werden. Der Ersten, den es dabei voll erwischte, war der amtierende HAIGO-Tourenwagen-Meister 2011, Kay-Uwe Roßner. Der Geraer vom Team Ritz, erwischte beim Beschleunigen auf die Start-und Zielgerade, eine kleine Pfütze und der Lada-2105 bog rechtwinklig in die Reifenstapel ab. Aus der Traum für Kay, denn der Schaden war vor Ort nicht mehr zu reparieren. Kay blieb dabei unverletzt und ich glaube, dass ihm noch ein paar Tage Kopfschmerzen plagen werden, aber das geht vorbei. Zum Glück blieb aber der Rest der HAIGO- Mannschaft, von solchen „Ausritten“ verschont. Das dadurch und durch weitere unglückliche Umstände, das Feld der Tourenwagen zusammen schrumpfte, lässt wenig Gutes für die Zukunft erwarten. Wir alle können nur hoffen, dass z.B. unser Fritz Berger bald wieder gesund wird und der Rest der Tourenwagen – Driver, ihre Autos für die neue Saison auf die Räder bringen.

Einer, dem das an dem Wochenende scheinbar besonderen Spaß machte, war Werner Liebers und seinem Zastava. Die Beiden „Oldies“ boten Motorsport vom Feinsten und man kann nur gespannt sein, was passiert, wenn Micha Krings und Maik Thomas, ihre „neuen“ Autos fertig haben und in das Geschehen eingreifen werden. Auf alle Fälle war unsere „Jugendbrigade“ richtig erstaunt, was der Werner zu Saisonbeginn in Oschersleben ablieferte. Das Rocco Berger mit seinem Kunstgriff, vorn Slicks und hinten Regenreifen, am Ende doch noch Werner Liebers abfangen konnte, war zu erwarten. Wie sich aber Sebastian Dross und Rocco Berger „mühen“ mussten und rundenlang das Zastava-Heck vor der Nase hatten, dass war schon richtig lustig.

Im Turm gab es schon Wettangebote, kriegen sie ihn noch, oder bleibt er doch noch vorn und bringt das Ding nach Hause. Sie kriegten ihn, aber Werner hatte mit einem Dritten und einem Zweiten Platz zu Saisonbeginn, schon ganz schön „vorgesorgt“. Unsere Trabi – Garde war auch noch nicht vollzählig und hatte in Oschersleben mit argen Motorproblemen zu kämpfen. Die Luft in Oschersleben und die Kälte bringen zwar PS, aber die wollen eben auch „konserviert“ werden.

Interessant war, dass Rocco Berger den Samara von Vater Fritz, am Sonntag zum zweiten Rennen, für Ulli Hänig „passend“ machte und Ulli mal bis „1300“ ins Lenkrad greifen konnte. Ich weiß nicht genau, ob es ihm gefallen hat, aber nach seinem breiten Grinsen zu urteilen, war es eine prima Sache. Das Ergebnis am Sonntag war ähnlich wie am Vortag, nur Werner Liebers hatte sich dieses Mal, vor Sebastian Dross ins Ziel retten können.

Die Formel, kränkelt in der Easter auch schon ganz schön, dass fällt aber nicht so auf, weil die Mondial, dass alles im Moment ausgleicht. Auf jeden Fall, gab es in Oschersleben und unter diesen Bedingungen, hervorragende Rennen der HAIGO – Formel. Alle „wichtigen“ Leute, die uns beobachteten, waren voll des Lobes. Wenn die Wagen, noch nach Runden, unter der VW – Brücke zu dritt nebeneinander die erste „Links“ anbremsen, dann stehen sogar alte Hasen von ihrem Stuhl auf und warten was da passiert. Zum Glück nichts, denn alles ging gut und ich konnte die ersten Drei, ohne Probleme zur Siegerehrung bitten.

Dass der M 90 von Nils-Holger Wils kein Auto ist, mit dem man im Regen schnell fahren kann, dass weiß inzwischen im Fahrerfeld jeder. Damit war der ihm so gewohnte Platz an der Sonne, erst mal vergeben und unser Dauergast Jaak Kuul, versuchte von der Pole aus, dass Rennen zu kontrollieren. Altmeister Siegert, der auf Platz drei in Rennen ging und hinter Kuul gestartet war, wollte das natürlich mit allen Mitteln verhindern. Aber wie so oft in den letzten Jahren, erwischte ihn die „Defekthexe“ und er musste zusehen, wie Thomas Hoffmann und Falk Schwarze, den Gast aus Estland, fair niederrangen. Dahinter lauerte aber schon Henrik Opitz, der aber mit einem unsauber laufenden Motor, nicht in den Kampf eingreifen konnte. Von Startplatz sieben, kam aber Wilms angeprescht, zischte durch Feld bis Platz drei und dann brach eine Antriebswelle, aus für den Meister aus Coswig. Schön sauber und konstant, fuhr auch unser HAIGO-Kücken – Michael Wolters, sein Rennen auf Platz fünf zu Ende und man darf schon gespannt sein, was da mal heran wächst. Frank Jakob, Silvio Keilig, Gerhard Dietrich und Hans-Jürgen Vogel, kämpften ganz allein und nur gegen den Wind, denn die Liste der „Ausfaller“ reichte von Weber bis Wollenberg. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass das erste Rennen der Saison, immer von den berühmten „Kinderkrankheiten“ heimgesucht wird und ich weiß, dass diese Fahrer, die jetzt entstandene Rennpause nutzen werden, um ihre Technik standfest zu machen.

Im zweiten Rennen, am Sonntag – Nachmittag, steht das Feld nach dem Sonnabend – Einlauf in der Startaufstellung. Damit war der Startplatz für Wilms ein völlig ungewohnter. Neben ihm standen nur noch Braun und Wollenberg, danach war die Startaufstellung zu Ende.

Die Pole hatte Thomas Hoffmann und mit Falk Schwarze standen zwei in der ersten Reihe, die alles geben wollten, dass das bis zum Ende des Rennens so bleibt. Opitz und Kuul standen dahinter und wollten das auf alle Fälle verhindern. Überraschend tauchte da auf Platz sechs auch noch Frank Jakob auf, der mit dem Easter, begünstigt durch die Ausfälle der Mondialer, in die vorderen Reihen aufrücken konnte. Unser „Medizinmann“, Dr. Braun kam gar nicht über die Startlinie und musste seinen Estonia 25 schon vorzeitig abstellen. Dafür kam aber Wilms ums so besser weg und ich glaube schon, dass das ein wenig nach „Fehlstart“ roch, aber die E-Schleife zeigte grün an und damit war alles in Ordnung. Für mich ist es immer wieder ein Gefühl, dass man gar nicht beschreiben kann, wenn die Autos in Dreierreihe und mit Vollgas die erste Kurve anbremsen. Ich weiß, von draußen sieht das alles schlimmer aus als es ist, aber ich habe immer noch nasse Hände und bin heilfroh, wenn alles gut gegangen ist. So war es auch dieses Mal und es ging wieder alles gut. Mit den zehn Bildschirmen, die mir auf dem Turm zur Verfügung stehen, kann ich wenigstens in der Startrunde, das Feld gut beobachten und was ich zu sehen bekam, dass nötigte schon Respekt ab. Dieser Nils-Holger Wilms und sein M 90, meisterten Überholvorgänge, die schon ein wenig an Kamikaze erinnern, aber alles war sauber und keines der „Opfer“ kann Klage erheben. Hier lief alles nach dem Motto „Leben und leben lassen“ ab und so soll die HAIGO sein. Alle mussten Sie dran glauben und Henrick Opitz, dessen Motor endlich sauber lief, wollte sich nicht geschlagen geben. Henrik erzielte sogar die beste Topspeed – Messung auf der Start-und Zielgeraden. Der ML 89 erreichte, bei heftigen Gegenwind, immerhin 207,07 Km/h !
Das allein hielt aber Wims nicht davon ab, eine Attacke nach der anderen zu fahren und zwei Runden vor Schluss war es dann soweit. Irgendwo, nach oder vor der Gegengeraden, schlüpfte der M 90 vorbei und Opitz war geschlagen. Bernd Weber hatte seine selbst eingebauten Benzinprobleme im zweiten Rennen scheinbar im Griff, konnte damit sogar Kuul in Schach halten und kam als sicherer Dritter über die Linie. Danach folgten mit Respektabstand, Hoffmann, Schwarze, Wolters, Koitsch, Mühle, Jakob und Keilig. Dietrich, Vogel, Wollenberg und Braun mussten vom Streckenrand aus zusehen, wie die ersten Punkte in der Meisterschaft 2012 verteilt wurden. Aber die ersten „Pflaumen“ sind immer madig und es kommen bestimmt noch bessere Tage, versprochen.

Stromhardt Kraft und Anett