Wasser marsch

Nach den schlimmen Nachrichten über die Pegelstände in Sachsen und Bayern, hatten ja nun alle gehofft, dass diese schwierige Wetterlage endlich überstanden ist.
Aber wir hatten am Sachsenring wieder mal die Rechnung ohne den Wirt gemacht und mussten schlimme Dinge über uns ergehen lassen. Ein kleiner Teil der Fahrer reiste schon am Donnerstag-Abend an und wir mussten genau einschätzen, wer wie viel Platz braucht. Die HAIGO benötigt mindestens 3.000 m³ Platz und ich glaube das die mit hängen und würgen vor der Kart-Halle theoretisch da waren. Wie dann die Realität aussah, dass veranlasste mich schon zu einigen Maßnahmen, die nicht ganz planmäßig waren. Besonderer Dank gilt hier Uwe Wächtler, der Instrukteur des VEZ-Sachsenring sorgte dann dafür, dass sich die Lage entspannte und wir die „Dauerparker“ ausfindig machen konnten.

Das freie Training am Freitag-Abend verlief ohne Höhepunkte, alles blieb ganz und ohne Unfallschäden erreichten alle wieder das Fahrerlager.

Das Qualifying für beide Klassen begann dann schon früh 7:45 Uhr und war einigen doch viel zu zeitig, denn die Gesichter waren doch noch ganz schön verschlafen.
Unsere Tourenwagen begannen und schon nach den ersten Runden konnte man erahnen, dass es Dieter Hoffmann erst meint. Er hat nun seinen Samara offenbar das „Laufen“ beigebracht, denn das russische Ding schnurrte wie eine Biene und spulte Runde um Runde im Eiltempo ab.

Gast Guido Steinmann wollte aber zeigen, dass die „Heckschleudern“ auch noch mithalten können und stellte seinen 2105 neben den Samara von Dieter Hoffmann in die erste Reihe. Dahinter folgten Uwe Hahn, Rocco Berger, Sebastian Droß, Peter Gröning, Micha Weißenborn, Fritz Berger, Werner Liebers und Maik Thomas. Damit waren die Top 10 komplett und der Rest des Feldes, in dem sich auch unsere polnischen Gäste befanden, waren ca. 8 bis 10 Sekunden zurück.

Das Feld der Formel sorgt auf Grund seiner zahlreichen Teilnehmer immer mehr für Aufsehen. Nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch bei den Offiziellen sieht man zufriedene Gesichter. Es ist schon imposant, wenn die „Schlange“ der Fahrzeuge bei der Einfahrt in die Boxengasse kein Ende nehmen will. Es fehlen uns nur noch ein paar Formel „Easter“ und dann haben wir die Starterzahlen von damals, als es noch den Pokal für Frieden und Freundschaft gab, erreicht. Die letzten Meldungen stimmen mich zuversichtlich und schon im nächsten Jahr könnten wir das Ziel erreichen. Es wäre ein prima Geschenk, denn 2014 begeht die HAIGO ihren 10-jahrigen Geburtstag und startet zum Rennen auf dem Lausitzring zum 100 Mal.

Die „Hoffmänner“ aus Struth-Helmershof hauen dieses Jahr gewaltig auf die Pauke und man kann es sich kaum vorstellen, dass es gelingen würde, dass Vater und Sohn sowohl die Tourenwagen als auch die Formel gewinnen können. Allerdings gibt es da noch ein paar Mutige, die dieses „Vorhaben“ auf alle Fälle verhindern wollen. Allen voran natürlich unser „Dauermeister“ Nils-Holger Wilms. Der Weggefährte des unvergessenen Ulli Melkus macht mit dessen „M 90“ eine gute Figur, aber dazu muss es möglichst trocken sein. Dass wissen die Widersacher wie Klaus Tanzmann, Bernd Weber, Tobias Worm und der z. Z. führende Jaak kuul sehr genau. Wie erwartet stellte Nils sein Auto auf die Pole und wollte damit gleich mal klare Verhältnisse schaffen. Daneben Thomas Hoffmann und dahinter in Reihe zwei, Tanzmann und Bernd Weber gefolgt von Tobias Worm und Jaak Kuul. In der Formel Easter bestimmen Michael Hennig und der Rückkehrer Silvio Keilig, welche Musik gespielt wird und fühlen sich dabei sichtlich wohl unter den Mondialern mit ihren 1600 cm³ Motoren. Mein ehemaliger „Weggefährte“ in der LK II, Jens Maik hat da auch noch ein Wort mitzureden, aber ich glaube das es unter den oben genannten Zweien am Ende ausgehen wird. Sollte es nicht so sein, so will ich mich gerne eines Besseren belehren lassen.

Das Wetter wollte und wollte nicht besser werden und als 17:00 Uhr unsere Formel dran war, hatten alle Regenreifen aufgezogen, denn es gab keine Alternative mehr. Nils-Holger Wilms wusste um die Schwächen seines M 90 und wollte sich so teuer wie möglich verkaufen. Ich kann es vorweg nehmen, es ist ihm dieses Mal besser gelungen als bei allen anderen Regenrennen die Jahre zuvor. Nur Thomas Hoffmann machte mit seinem Estonia alles richtig und ließ nichts anbrennen. Zumal Klaus Tanzmann wie einen D-Zug von hinten angerauscht kam, dann aber an dem tapfer kämpfenden Nils-Holger Wilms bis auf gleiche Höhe kam, dann aber immer wieder zurückstecken musste. Das im Regen der Motor nicht mehr die alles entscheidende Rolle spielt, das habe ich ja schon im Bericht von Oschersleben geschrieben und genau das musste auf dem Sachsenring Jaak Kuul schmerzhaft erkennen. Er hatte im Training einen Bruch der Vorderachse erlitten und Dank Klaus Tanzmann und dessen Werkstatt in Leipzig in einer Nacht und Nebel-Aktion das nötige Ersatzteil dort abgeholt. Man muss sich mal vorstellen, was das heißt, wenn man von Tallinn auf den Sachsenring kommt, dann in der Nacht nach Leipzig fährt, eine Ersatzteil holt und am nächsten Morgen feststellt, dass ein Kugellager nicht auf die Welle passt. Da sah ich einen Besucher, der die HAIGO 2004 mit gegründet hat und der zu Hause eine Drehbank im Keller stehen hat. Ohne Worte und ohne auch nur den geringsten Widerspruch, fuhr Jens Redlich nach Lichtenstein, drehte die Welle auf Maß und stand eine Stunde später mit dem Ding in der Hand neben Jaak Kuul und der brachte sein Auto noch rechtzeitig fertig. Dann hatte er im Rennen, wie oben schon erwähnt, Silvio Keilig mit dem Estonia 21 und 1300 cm³ auf dem Hals und wurde ihn einfach nicht mehr los. Alle anderen kamen mehr oder weniger glücklich ins Ziel, vor allem Falk Schwarze hatte sich das alles ein wenig anders vorgestellt, aber die Rennleitung hatte sich zu einem fliegenden Start entschieden und so etwas hatten unsere „Grünschnäbel“ noch nicht mitgemacht. Es wird zwar in jeder Fahrerbesprechung immer wieder darauf hingewiesen, dass der Abstand der Fahrzeuge nicht größer als drei Längen sein soll, aber die Realität sieht eben dann ganz anders aus. So geriet Falk am Ende des Feldes (er hatte im Training Zündungsprobleme) so weit zurück, das im bei der Startfreigabe fast eine halbe Runde fehlte. Für einen der um die Meisterschaft kämpft, ist das schon frustrierend. Glücklich war ich nicht, aber dennoch zufrieden, denn es gab nur zwei Ausfälle im Rennen. Tobias Winter mit technischen Defekt und Tobias Worm hatte nach einem Dreher seinen MT 77 nicht mehr in Gang bekommen. Wir waren wieder unfallfrei und das ist ja am Ende die Hauptsache.

Genau 17:40 Uhr am Samstag war der Start der Tourenwagen angesagt und was soll ich sagen, es goss wie aus Kübeln, aber es schien einigen richtig Spaß zu machen. Ungeachtet aller Widrigkeiten zog Dieter Hoffmann dem Feld auf und davon, nur Guido Steinmann konnte den Führenden noch ein paar Runden in der Gischt vor ihm vermuten. Dann war der Faden abgerissen und er musste seine Aufmerksamkeit mehr nach hinten richten, denn von dort kamen Uwe Hahn und im Schlepptau „Urgestein“ Werner Liebers immer näher. Rocco Berger wollte unbedingt mit dem Zug mitfahren, aber er baute einen Dreher und wurde von Peter Gröning und von Papa Berger gleich mal um zwei Plätze nach hinten gereicht. Dort hatte er aber auch nicht viel zu lachen, denn der Skoda von Maik Thomas lernt so langsam das „Laufen“. Das war auch nicht anders zu erwarten, denn der Name Thomas und die Firma Skoda sind hier zu Lande schon eine Institution. Ich bin ja gespannt, wenn Michael Krings wird mit dem Zastava ins Geschehen eingreifen wird und wie dann die Karten gemischt werden. Vielleicht kommt der Zweite „Zassi“ schon in Poznan wieder an den Start und dann wird es vielleicht auch nicht mehr lange dauern und der „Trabi-Treter“ Ulli Hänig bringt die dritte Variante des Mücke-Zastava auf die Strecke. Jedenfalls machte Dieter Hoffmann nicht den Eindruck, dass er so ohne weiteres gewillt ist, die Krone der Tourenwagen kampflos an die junge Garde ab zu geben. Als diese Wasserschlacht endlich vorbei war, standen Dieter Hofmann, Guido Steinman und ein glücklicher Werner Liebers auf dem Podest. Der gute Werner hatte in der Schlussrunde noch seinen Widersacher Uwe Hahn irgendwo dort draußen im Regen ausgetrickst und kam mit einem Wimpernschlag vor Uwe über die Linie. Dahinter war richtig „Krieg“ ausgebrochen, denn Maik Thomas war auf dem Weg nach vorn um ein Haar mit Kai-Uwe Rossner zusammen geraden, der durch einen Dreher die ganze Fahrbahn brauchte und so vielleicht zu einer neuen Lackierung gekommen wäre. Grün-Weis würde auch zu einem 2105 passen, oder? Unsere Gäste aus Polen kämpften tapfer mit dem Sachsenring und man konnte deutlich sehen, dass der polnische Kart-Meister Szudlarek mit seinen erst 18 Jahren und ohne Streckenkenntnis, auch nur mit Wasser kocht. Denn in Oschersleben, wo er schon einige Male am Start war, sah das alles ganz anders aus. Gratulation an Henry Bog, der seine Rennfahrerlaufbahn vom Autocross auf die Straße verlegt hat und nun noch mal neu anfangen muss. Schade das Jonny Schönfelder und Andreas Taudte nicht das schwarz/weiße Tuch sahen, aber seit nicht traurig, es kommen bestimmt wieder bessere Rennen.

Der Sonntag war dann die Krönung der Wetterkapriolen. Es sah schon lange nach Regen aus, aber alle hofften auf ein Wunder. Nach dem die Rennleitung die Rennen der Formel 3 und das der ADAC-Formel abbrechen musste, ahnte ich schon das Schlimmste. Unsere Formel ging an der Kart-Halle auf die Strecke und ich mit dem Roller hinauf zur Rennleitung. Als ich mit Anett oben ankam, war es wie Weltuntergang und der Blitz hatte bei Posten 17 eingeschlagen. Unsere Formel stand auf dem Startplatz, aber in dem Moment war an ein Rennen nicht zu denken. Die Sportkommissare und die Rennleitung beschlossen nach kurzer Beratung, die Veranstaltung als beendet zu erklären. Viele wollten hinterher wissen, dass es eine Fehlentscheidung war. Aber ich bin der Meinung, dass die Gesundheit aller Beteiligten im Vordergrund stehen muss und damit war die Entscheidung richtig.

Stromhardt Kraft