Unter anderen Vorzeichen

In diesen Jahr zum zweiten Mal Porsche – Cup, aber ein anderer Veranstalter und eine andere Rennstrecke und alles wieder ein ganz klein wenig anders.
In der Jahren von 1995 – 2001 bin ich mit der HRA durch ganz Europa gereist und die Veranstalter waren immer sehr unterschiedlich. Da geht nur „anpassen“ sonst läuft man Gefahr, dass man nach Hause geschickt wird. Das müssen unsere Fahrer auf alle Fälle noch lernen, denn Recht haben und Recht bekommen, das waren schon immer zwei verschiedene Paar Schuhe.
Wir haben es wieder hin bekommen, wenn auch mit einem weinenden und einem lachenden Auge.
Eigentlich begann unsere Veranstaltung erst am Freitag gegen 13.30 Uhr, denn zuvor war „Freies Fahren“ gegen Bezahlung angesagt, wer wollte der konnte, musste aber nicht. Damit schaffen sich die Veranstalter eine zusätzliche Einnahmequelle, die natürlich gern genutzt wird, weil ja keine andere Möglichkeit mehr besteht, um das „Gerät“ zu Hause zu testen.

In meinen sonstigen „Rennberichten“ lasse ich immer gern das freie Training weg, weil da ja kaum was interessantes passiert. Das war hier am Lausitzring aber mal ganz anders, denn unser Andreas Knop hatte in der Fahrerbesprechung wahrscheinlich gerade ein anderes, ganz wichtiges Gespräch mit seinen Nachbarn. Denn der Rennleiter verkündete in wunderbaren, aber sehr deutlichen österreichischen Akzent, dass die lange Streckenvariante gefahren wird. Als dann die Trainingszeiten schwarz auf weiß da waren, hatten wir einen superschnellen und mit 25 Sekunden Vorsprung führenden Andreas Knop ganz oben auf der Liste.
Was war da passiert, wir alle gönnen Andreas diesen Erfolg von ganzen Herzen, aber so schnell, das war nicht normal. Die Lösung war aber ganz einfach, der clevere „Knopi“ hatte einfach die Strecke abgekürzt und war die ADAC-Variante gefahren. Das ihm drei Reihen Gummi-Kegel dabei im Weg standen, das beeindrucke ihn überhaupt nicht. Die Rennleitung sah darüber hinweg, aber die Fahrerschaft erwartet in Brno eine feuchte Widergutmachung.
Aus unerfindlichen Gründen waren das ganze Wochenende immer unsere Formel-Raser zuerst an der Reihe und so begannen sie auch mit der Quali am Freitag gegen 15:25 Uhr.

Überraschungen gab es dabei eigentlich nicht, denn Nils-Holger Wilms ganz vorn, dass gab es ja schon öfter. Dahinter dann Toni Koitsch, Thomas Hoffmann, Jörg Koitsch, Henrik Opitz, Bernd Weber, Jacky Thalmann, Jens Maik und Gunter Schönfeld, um hier die ersten zehn einmal zu nennen.

Das Qualifying der Tourenwagen begann pünktlich 17.00 Uhr und sah einen hervorragend aufgelegten Kai-Uwe Roßner, der nach seiner Schmach mit der falschen Lizenz beim letzten Rennen, hier an gleicher Stelle, alle alt aussehen ließ. Mit einer Differenz von 0,9 Sek. zu Dieter Hoffman, war das schon ein gewaltiges „Pfund“. Maik Thomas, Rocco Berger, Michael Weißenborn, Werner Liebers, Uwe Hahn, Michael Krings, Sebastian Dross und Dirk Förster staunten da alle nicht schlecht. Zumal die Tourenwagen dieses Jahr einen gewaltigen Sprung gemacht haben, nicht in ihrer Geschwindigkeit, aber die sind sowas von zusammen gerückt, dass es eine Freude ist, wenn man ihnen zuschaut. Eine unglaubliche Leistungsdichte, von der können andere Serien nur träumen.

Sonnabend – 11:15 Uhr
Start der Formel, eine schier unglaubliche Hitze, kaum einen Zentimeter Schatten im Fahrerlager. Unterwäsche aus feuerfesten Material, dreilagiger Overall, Helm, Handschuhe und einen Motor mit +80 Grad Wassertemperatur im Rücken und dann warten, warten und warten, die Minuten scheinen wie eine Unendlichkeit, aber wir wollen das ja so.

Start – Hoffmann erwischt den besten Start, will sofort Boden gut machen, aber schon in der ersten „Links“ stellt Wilms die alte „Rangordnung“ wieder her. Dahinter fädelt sich alles irgendwie ein – ich bin froh, alles ist gut gegangen. Aber Aufregung in Runde fünf, Wilms fehlt! Was ist passiert? Dann kommt er auf Platz zehn und hat vorne links einen Bruch der Stoßdämpfer-Anlenkung. Inzwischen hatte sich Toni Koitsch langsam, aber konstant an Hoffmann ran gemacht, um in Runde sieben die Führung zu übernehmen. Falk Schwarze hatte bestimmt andere Vorstellungen vom Rennverlauf, aber er sah im Spiegel den Estonia von Jörg Koitsch immer grösser werden. Jörg Koitsch fuhr dann in der zehnten Runde seine beste Zeit, aber Schwarze rettete Platz drei ins Ziel. Das ganz große „Los“ zog Bernd Weber, gutes Rennen um Platz fünf mit Opitz und Thalmann, aber eine Kurve vor dem Ziel, sagt die Zündspule – mir ist es zu warm – und geht einfach aus. Bernd war mit Recht sauer, aber er greift wieder an, versprochen.
Eine gewisse Professionalität hat sich inzwischen schon eingestellt, nur im Fahrerlager ist es eben manchmal immer noch „Kindergarten – große Gruppe“ – schade.

Sonnabend – 15:20 Uhr
Rennen eins der Tourenwagen, immer noch unerträglich heiß und die Jungens haben in den Kisten an die +80 Grad, aber wie schon erwähnt, wir wollen es ja so. Manche steigen auf den Mount Everest und wenn sie oben sind, sehen sie Nebel, Eis und Schnee und auf dem Rückweg erfrieren sie sich Hände und Füße, aber sie sind glücklich, denn sie haben das gemacht, was sie schon immer mal machen wollten.
Es hätte die große Stunde des Kai-Uwe Roßner werden können, eine Widergutmachung aller bisher erlittenen Niederlagen, aber er versagte im entscheidenden Moment. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, bei aller Liebe, so einen „schönen“ Fehlstart kann kein Rennleiter übersehen. Dieter Hoffmann, Maik Thomas und Rocco Berger brauchten nur warten, dann kam das schwarze Tuch und die Tafel mit der Nummer 79 am Start-und Ziel raus und er musste seine „Ehrenrunde“ durch die Boxengasse antreten.
Eigentlich ein schönes Rennen, nur eben ein Rennen mit mehreren „Kampfgruppen“ – vorn Thomas, Hoffmann und Rocco Berger, mit Respektabstand dann Roßner (der wieder nach vorn gerauscht kam), dann Weißenborn und Dross. Dahinter dann wieder Hahn, Liebers, Förster und Gröning und am Ende, aber alle ganz allein – Krings, Schönfelder und Wollenberg. Schade auch, dass unser „Neueinsteiger“ Marcel Heintze seine Wasserprobleme am Skoda nicht in den Griff bekam, er hätte die eine oder andere Gruppe noch „aufmischen“ können.

Sonntag – 17:15 Uhr
Rennen zwei der Tourenwagen. Totale Katastrophe im Fahrerlager. Durch den Frühnebel, gab es eine Zeitverzögerung, die aber bis zum Start der HAIGO-Tourenwagen fast aufgeholt war, aber der Flugplatz Dresden meldete Regen für die nächsten Stunden. Was wird der richtige Reifen sein und wann fängt der Regen an? Für jeden Rennfahrer eine ganz schlimme Entscheidung. Beide möglichen Varianten können total daneben gehen. Mit Slicks raus und es fängt an zu regnen, dann ist alles zu Ende. Mit Regenreifen raus und es bleibt trocken, fährt das Auto nach drei Runden wie „Ei in Gelee“ und die Reifen sind am Ende nur noch Schrott. Es war ein Poker wie er im Buche steht. Die BMW-Challenge vor uns, fuhr die Ideallinie trocken und ich glaube, dass alle Slicks drauf hatten. Es war die richtige Entscheidung, denn es hörte fast auf zu regnen und die ersten drei balgten sich richtig schön. Am Ende huschte Maik Thomas mit dem Skoda, mit einer Wagenlänge vor Rocco Berger über die Linie und Dieter Hoffmann (der am Montag Geburtstag hat) war mit Platz drei nicht unzufrieden. Dann folgen mit Abstand Dross, Liebers, Roßner, Weißenborn, Krings, Gröning, Hahn und Dirk Förster. Ein wenig sehr traurig folgten Fritz Berger und Jonny Schönfelder. Fritz war der Meinung – mein Auto liebt mich noch nicht und Jonny hatte einen Putzlappen im Vergaser vergessen raus zu nehmen.

Sonntag – 16:25 Uhr
Rennen zwei der HAIGO – Formel und keine Besserung der Wetterlage. Der Koitsch – Motorsport – Teamchef Gerd Koitsch, traf eine interessante Entscheidung. Er schickte Toni Koitsch mit Slicks und Jörg Koitsch mit Regenreifen raus – Fazit: Einer der beiden Fahrer wird Glück haben. Der Glückliche war Toni Koitsch, obwohl Jörg Koitsch den Lausitzring bestimmt noch in guter Erinnerung hat, denn er gewann voriges Jahr hier das Rennen #100 der HAIGO – ganz souverän.
Es wurde kein schönes Rennen, alle waren sehr vorsichtig und unter dem Druck des Veranstalters mit der Drohung, dass die HAIGO mit 10.000,-€ Strafe belegt wird, wenn wir, wie am Samstag, das Lärmlimit von 98 dB (max. 100 dB) überschreiten, ging alles irgendwie mit gebremsten Schaum ins Rennen. Start und Ziel-Sieg von Toni Koitsch vor Thomas Hoffmann und Falk Schwarze. Dahinter folgten im Abstand Thalmann, Weber, (mit neuer Zündspule) Jens Maik, Jörg Koitsch (mit Regenreifen), Werner, Schönfeld und Wilms. Wichtig zu sagen ist es, dass die tapferen Easter-Fahrer Ketzmarik, Winter und Hennig, auch wenn sich ihr Mitstreiter Fontanski (PL) vorzeitig verabschiedete, ein wirklich gutes Rennen unter sich ausmachten. Leider bleibt ihre Leistung immer ein wenig unter Wert, weil sie immer in mitten der Mondialer (1600) über die Linie kommen. Ich möchte diese Situation gerne ändern und habe dazu auch schon einige Ansätze, aber am Ende hängt es immer von den Beteiligten selbst ab.

Zu Wilms ist es nötig eine Erklärung der Umstände zu machen. Wilms startete ja wegen Defekt am Samstag von Position 10 aus, holte sehr schnell Platz um Platz auf und geriet bei einem Überrundungsvorgang mit Tobias Winter (MT 77) Rad an Rad und die hintere linke Aufhängung erlitt Totalschaden, er schleppte sich tapfer ins Ziel, aber die Spotkommissare hätten hier eingreifen müssen, denn er hätte das Rad verlieren können.

An diesem so ereignisreichen Wochenende gab es natürlich wieder Sieger und Verlierer. Des einen Freud ist des anderen Leid und ich fühle immer sehr mit den Verlierern. Gerade Marcel Heintze hat sich so viel Mühe gegeben, um seinen Favorit das „Laufen“ zu lernen, aber alles war umsonst. Nils-Holger Wilms „verliert“ beide Rennen durch technischen Defekt und das Tobias Worm Auto fahren kann, das steht doch außer Zweifel, er hatte das Wochenende absolutes Pech mit seinem MT 77 und der Technik.

Brno und die Race-Days 2015 haben uns gerufen und ich glaube alle freuen sich darauf.

Bis dahin,

Stromhardt Kraft