Rennbericht ADAC Masters Weekend

Auf der ersten Seite des Rennprogramm stand, dass es ein Motorsport-Event der Extraklasse werden wird und das war es dann auch. Noch nie in der Geschichte der ADAC-Masters gab es so viele Teilnehmer wie in Oschersleben 2011. Vor allem die GT-Masters, hatte mit 40 Startern, die „Bude“ gerammelt voll.

In der HAIGO war die Anzahl der Teilnehmer noch über vierzig, aber eben leider in zwei Klassen. Vor allem macht mir die rückläufige Tendenz der Tourenwagen Sorgen, denn die Beteiligung der Formel wächst kontinuierlich an und wenn dann mal alle ihren Formel fertig gestellt haben, sind wir mit 29 Startern ordentlich gut besetzt. Wie immer im Leben, hat das natürlich vor allem etwas mit dem lieben Geld zu tun, aber wir werden diese Welt nicht mehr ändern und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich dieses Hobby leisten kann oder nicht.

Auf jeden Fall werden solche Rennen, wie wir sie an diesem Osterwochenende erleben durften, für uns alle ein bleibendes Erlebnis darstellen.

Durch das LKW-Fahrverbot am Karfreitag, musste der Veranstalter notgedrungen den Ostermontag mit in die Planung einbeziehen. Das bedeutete für die HAIGO, dass wir erst am Sonntag mit den Trainingsläufen beginnen und unsere Rennen am Montag absolvieren werden. Natürlich früh die Ersten und am Abend dann die Letzten, aber es hat uns keinen Abbruch gemacht, denn die Zuschauer waren sogar am Montag-Abend noch bereit, mit einer stattlichen Anzahl das Rennen der Formel zu verfolgen. Ich konnte das Geschehen vom Sprecherturm aus gut beobachten und musste feststellen, dass sich die Zuschauer bei der Nationalhymne erhoben und unseren Siegern danach den verdienten Applaus spendeten.
Ich möchte aber nicht mit dem Ende anfangen sondern damit, dass die HAIGO mit dem freien Training am Sonntag-Morgen von 8:00 bis 8:55 ihr Programm begann und alles normal ablief. Bis auf die üblichen „Kinderkrankheiten“, die immer beim ersten Rennen auftreten und vor denen kein Fahrer verschont wird, waren die technischen Probleme schon enorm. Unser Altmeister Heinz Siegert war einer der ersten, der die Segel streichen musste und nach den enormen Anstrengungen, die er in die Vorbereitung für den Saisonstart investiert hatte, war das schnelle Ende für Heinz besonders bitter. Das Ergebnis nach dem Zeittraining zeigte dann schon, wer in diesen Jahr mit bei der Musik sein wird. Die von der FIA geforderten Umbau-Maßnahmen am M 90 von Nils-Holger Wilms, beobachteten seine Mitbewerber argwöhnisch und hofften, dass Nils dadurch vielleicht etwas eingebremst würde. Aber genau das Gegenteil trat ein, er fuhr in seiner unverkennbaren ruhigen Art und Weise, wieder allen auf und davon. So war es auch nicht weiter erstaunlich, dass die Pole in Oschersleben, für das erste Rennen wieder an Nils-Holger Wilms vergeben wurde. Dahinter hatte sich die Winterarbeit von „Papa“ Ulli Schwarze scheinbar gelohnt den Falk Schwarze reiste aus der Oberlausitz an und stellte sich neben Wilms in die erste Reihe. Für mich ist das immer eine Freude, wenn kein Fabrikat der damaligen Hersteller dominiert. So hatten wir dann unter den ersten fünf des Feldes, auch gleich mal fünf verschiedene Fabrikate zu bieten. Denn mit Jacky Thalmann Estonia 25 (3) Henrik Opitz ML 89 (4) und Silvio Keilig Estonia 21 (5) waren die Karten gut gemischt. Nach dem Klassenwechsel von Silvio Keilig in die „große“ Klasse, scheint der Weg für Michael Hennig in der Easter geebnet zu sein, aber ich glaube, dass da einige der Easter- Piloten furchtbar dran arbeiten werden, dass das nicht so bleibt. Schon allein der erste Auftritt von Sebastian Wilfert, mit dem Estonia 21 von Reinhard Zängler, lässt berechtigte Hoffnungen aufkommen, dass da etwas in der HAIGO entsteht, was wie geplant aussieht. Mit Zängler und Wilfert scheinen sich zwei „Rennverrückte“ getroffen zu haben, die nicht gewillt sind, die Siege so einfach zu verschenken. Warten wir es mal ab, die nächsten Rennen werden es zeigen, ob der Plan der Beiden „Gast – Bayern“ aufgeht. Unsere Gäste aus Lettland und Estland hatten ein total „vermurkstes“ Wochenende erwischt. Dauerstarter Jaak Kuul kam mit seinem Estonia 21 schon im Training in arge Motorprobleme und konnte diese über das gesamte Wochenende nicht in den Griff bekommen. Am Ende musste er sogar im zweiten Rennen zusehen. Das hatte aber den Vorteil, dass der aus Riga angereiste Maris Oszolins, für seinen Estonia 25, einen kompetenten Mechaniker zur Verfügung hatte, der aber auch nicht verhindern konnte, dass Maris noch eine endscheitente Rolle, im zweiten Rennen spielen sollte.

Bei den Tourenwagen war die ganze Sache viel einfacher, weil das gesamte Wochenende von den Mannen aus Thüringen und am Ende sogar von nur einer Familie dominiert wurde. Nach dem Marcus Gesell, wie erwartet seinen Samara auf die Pole gestellt hatte, sah es so aus, als ob Rocco Berger, Kai Roßner und Seffen Hornik da noch was reisen wollten, aber im Rennen sah es dann ganz anders aus.

Tatsächlich und das war kein verspäteter Aprilscherz, war der Start der Formel ADAC – Historic – Cup, pünktlich Montag früh 8:00 Uhr.
Alle waren relativ pünktlich ins Bett gegangen und die üblichen „Nachtschwärmer“ fehlten dieses Mal im Fahrerlager. Aber an schlafen konnte keiner so richtig denken, denn die Pro Car – Fahrer hatten da was ganz wichtiges zu feiern und tyrannisierten das ganze Fahrerlager bis gegen 3:00 Uhr mit übermäßig lauter Musik und am Ende sogar mit einem Hup-Konzert, was vollkommen unnötig war. Wenn einer im Fahrerlager nach 22:00 Uhr, noch mal seinen Motor für eine Minute laufen lässt, kann es passieren, dass er am nächsten Tag nicht starten darf. Mit Recht, aber das muss dann eben auch für alle „Krachmacher“ gelten.

Die Temperaturen, waren um diese Zeit für die Reifen im Keller und der herrliche Sauerstoff in der morgendlichen Luft, war zwar gut für die Verbrennung, aber wenn die Düsen nur ein wenig zu klein waren, dann drohte der Motoren-Kollaps.

Gegen alle Bedenken ging aber alles gut. Henrik Opitz erwischte einen Bombenstart und konnte sofort zu Wilms aufschließen, aber die beiden alten Hasen verstanden es ausgezeichnet, dass gesamte Feld bis an die erste „Ecke“ hinter sich und in Schach zu halten. Sie wissen beide, dass das Rennen nicht in der ersten Kurve gewonnen wird. Mensch, sah das toll aus, als das Feld in die zweite Runde ging und an der Spitze Wilms, Opitz, Schwarze, Thalmann, Keilig und der kleine Wolters mit dem König, auf Meterabstand an Start und Ziel vorbei gedonnert kamen.

Das war schon „Pokal-Atmosphäre“ aus einer längst vergangenen Zeit und das diese nicht sobald in Vergessenheit gerät, dafür will ich mit der HAIGO noch eine Weile sorgen. Als gegen Rennmitte, Falk Schwarze durch einen Dreher aus der Spitzengruppe ausschied, war der Weg zu Platz drei für Jacky Thalmann frei. Wir sahen ein feines Rennen und Wilms, Opitz und Thalmann standen am Ende auf dem Treppchen und konnten mit berechtigtem Stolz, die Glückwünsche vom ADAC – Sportleiter Scheunert entgegen nehmen. Bei den „Kleinen“ sorgten schon am Start Jakob, Zängler und Stallbaum für Aufregung. Eine gewisse Konfusion beim Einnehmen der Startpositionen, führte dazu, das Zängler und Stallbaum sich beim Start mit den Rädern berührten und der MTX von Stallbaum flog in die Leitplanke. Zum Glück blieb Lutz Stallbaum dabei unverletzt, Jakob und Zängler konnten das Rennen aufnehmen, aber der MTX war an der hinteren Achsaufhängung so beschädigt, dass eine Reparatur vor Ort nicht möglich war, schade für Lutz Stallbaum, aber es kommen wieder bessere Zeiten, für den MTX und für Lutz.

Der Einlauf der Formel Easter war dann doch noch spektakulär, denn hinter Michael Hennig gab es in der letzten Runde noch eine ganz seltene Situation. Nils-Holger Wilms hatte sich mit seinem M 90 beim Überrunden zwischen die kämpfenden Easter-Piloten geschoben. Durch einen Dreher eines der hinteren Fahrer kam plötzlich die Gelbe Flagge raus, Überholverbot!!! Wilms konnte dadurch Zängler nicht mehr überholen und kam nur ein paar Meter hinter Zängler über die Ziellinie. Der Zielrichter musste nun aber den Sieger Wilms abwinken, er tat das auch, aber Zängler war der Meinung er meinte ihn und beendete das Rennen zu früh. Die Rennleitung bestätigte Zängler auf Platz drei, er wurde auf das Podest gerufen, geehrt und die Sportkommissare erkannten in der Auswertung den Fehler und er musste seinen Pokal an Frank Jakob abgeben. Das alles ging relativ geräuschlos von statten und ich war froh, dass ich es in diesen Fall, mal mit erwachsenen Menschen zu tun hatte.

Offizieller Endstand der Easter im Rennen 1 war somit, Michael Hennig, Sebastian Wilfert und Frank Jakob.

Im ersten Lauf, der für meine Begriffe zu schwach besetzten Tourenwagen – Klasse. möchte ich mich in erster Linie bei den Trabi-Fahrern Robert Berger, Peter Gröning und Claudia Nolte bedanken, die sich trotz aller Querelen, bereit erklärt haben, die HAIGO zu unterstützen.

Pole-Mann Marcus Gesell entschärfte seinen Samara-Motor schon in der ersten Runde durch einen Schaltfehler und machte damit den Weg frei, dass dieses Rennen eine Demo – Fahrt der Familie Georg wurde. Die Brüder Tibor und Dominic Georg, ließen keinen Zweifel aufkommen, dass sie nun die Gangart bei den Tourenwagen bestimmen wollen. Wie es in Zukunft aussehen wird, wenn der Thomas- Skoda und der Zastava von Michel Krings mitmischen werden, bleibt im Moment noch offen. Auf alle Fälle, sind die ersten Meisterschaftspunkte erst mal in Mühlhausen, daran gibt es keinen Zweifel. Dahinter balgten sich Steffen Hornik, Kai Roßner, Werner Liebers und Fritz Berger um Platz drei. Weit auseinander waren sie nie, aber Steffen Hornik hatte hier die besseren Karten und fuhr mit seinen Lada 2105, auf Platz drei. Zufrieden war auch Werner Liebers, der mit Platz fünf, einen recht ordentlichen Start in die neue Saison hin legte. Schade für Kai Roßner, der Geraer und das Team um Thomas Ritz, hatten sich so viel Mühe mit dem Neuaufbau des 2105 gemacht, aber der Lohn dafür, war nicht gerecht. Bei den Trabis machte Robert Berger kurzen Prozess, drängelte sich zwischen die „Großen“ und nutzte jeden Windschatten schamlos aus. Am Ende war er der „Beste“ der Kleinen und sichtlich zufrieden. Peter Gröning und unsere neue „Lady“ Claudia Nolte, belegten die Plätze.

Das zweite Rennen der Formel, war an Dramatik kaum noch zu überbieten. Am Anfang schien es so, als ob sich die Dinge vom Vormittag ganz einfach nur wiederholen würden. Das ganze Spiel begann, als Michael Wolters seinen König mit Motorschaden abstellen musste und er damit aus der wieder sehr engen Spitzengruppe ausschied. In den letzten zwei Runden, „versaute“ Maris Oszolins die beiden Kurven vor Start und Ziel, so sehr mit seinem Motoröl, dass darauf Henrik Opitz und in der allerletzten Runde und allerletzten Kurve auch noch Nils-Holger Wilms, als souveräner Spitzenreiter, das Ziel schon vor Augen, dass Auto verlor.

Überglücklich ins Ziel, retten sich Jacky Thalmann und Falk Schwarze, der sich durch seinen Ausfall im ersten Rennen, von ganz hinten, nach ganz vorn gekämpft hatte. Silvio Keilig „erbte“ dadurch Platz drei und die beiden Pechvögel Wilms und Opitz retten noch Platz vier und fünf, wobei Henrik Opitz seinen ML per Hand über die Ziellinie schob. Weil er das auf dem Grünstreifen tat, drückten die Sporkos ein Auge zu und sahen von einer Bestrafung ab, Glück im Unglück für Henrik. Bei der Formel Easter ging alles nach Plan und so konnten die Plätze abermals an Michael Hennig, Sebastian Wilfert und Frank Jakob vergeben werden. Nur Reinhard Zängler konnte sich nach seinem Pech vom Vormittag rehabilitieren und schnappte sich am Ende noch den vierten Platz.

Über das zweite Rennen der Tourenwagen gibt es relativ wenig zu berichten. Die Familie Georg, machte auch am Oster-Nachmittag in Oschersleben, mit der gesamten Konkurrenz wenig „Federlesen“. Nur Jens Fischer schien irgendwie aufgewacht zu sein oder seine niedliche Tochter Mara, hatte was damit zu tun, denn plötzlich tauchte der grüne Samara hinter den Georgs auf und blieb auch dort. Erst dachte ich, na ja, lange wird das „Gastspiel“ nicht dauern, aber blieb dort und brachte einen verdienten dritten Platz mit nach Hause. Rocco Berger hatte seine Kupplungsprobleme auch in den Griff bekommen und so blieben für Steffen Hornik und Fritz Berger nur die Plätze fünf und sechs übrig. Der kleine Robert Berger mutete seiner „Rennpappe“ zu viel zu und verschweißte die Kolben in den Zylindern. Zum Glück war das der einzige Ausfall an dem Nachmittag, sonst hätten die tapfer ausharrenden Zuschauer nicht mal mehr zwei Hände gebraucht, um die Autos zu zählen.

Vertrauen wir mal darauf, dass es zu den nächsten Rennen mit den HAIGO Tourenwagen wieder ein wenig mehr Teilnehmer werden, sonst sieht es mit dem historischen Rennsport der Tourenwagen aus Osteuropa, eher trübe aus.

Die Hoffnung stirbt zuletzt,
Stromhardt Kraft