Poznan II – Heiße Phase

Das wir dieses Jahr zweimal die Rennstrecke in Poznan benutzten, lag ganz einfach an den neuen Besitzverhältnissen in Most. Was aber nicht heißen soll, das wir nicht gerne dort in Polen fahren wollen, sondern das der neue Besitzer von Most die HAIGO einfach aus dem Programm genommen hat. Wie das in Zukunft weiter geht, steht in den Sternen, wir vermissen Most schon sehr im Kalender der HAIGO und hoffen auf einen positiven Anruf aus Tschechien. Die Überschrift sagt es schon richtig aus, was in Poznan „Phase“ war, denn die Meisterschaft in allen Klassen war vor dem Rennen keinesfalls entschieden. Allen Spitzenleuten war die Nervosität schon von weitem anzusehen. Ich merke das immer sehr schön, wenn ich fünf Minuten vor dem Start noch einmal nach dem „Rechten“ schaue und die Start- und Zielgerade entlang laufe. Am Saisonbeginn grüßen mich alle mit Daumen hoch oder winken kurz mal, aber in Poznan waren die ersten zwei Reihen regelrecht zu Eis erstarrt und zuckten nicht mal, wenn ich vorbei ging. Konzentration wurde an beiden Tagen groß geschrieben und die Zuschauer der wieder gut besuchten Veranstaltung, wurden mit sehr guten Rennen belohnt. Wir waren unfallfrei, wir haben unsere Meister 2014 gesehen und können eine hervorragende zehnte Saison beruhigt beenden und nach vorn schauen.

Die Ereignisse im Qualifying kann ich als normal bezeichnen und werde sie deshalb auch nicht weiter kommentieren. Nur unser Formel – Dauerbrenner Nils-Holger Wilms musste sich hinter Jörg Koitsch und Falk Schwarze mit Platz drei begnügen, was ihn aber gar nicht behagte. Unsere Formelleute legen dieses Jahr sowieso eine Leistung im Training hin, die sich sehen lassen kann. Leider sahen die Zuschauer in Poznan dann eher ein Rennen, das ganz und gar von taktischen Überlegungen geprägt war, aber das kann ja keiner vorher erahnen. Vor allem Jörg Koitsch, der wie eine Rakete gestartet war, konnte seine Pole nicht konservieren und musste schon nach der zweiten Runde zuschauen. Ganz schlimm kam es für Gunter Schönfeld, der am Start stehen blieb und bestimmt bange Momente erleben musste. Am Ende setzte sich wieder einmal der Routinier Jaak Kuul durch, der mit seinem Estonia 21 seit 1990 Rennen fährt. Nils-Holger Wilms und Falk Schwarze folgten ihm mit Respektabstand und weiter hinten folgten Jacky Thalmann, Lech Wojciechowski und Jens Maik. Dann kam mit Andrzej Fontanski schon der erste Easter in Sicht und im Schlepptau hing Silvio Keilig, der ja eigentlich nur noch ankommen musste um die Meisterschale für den Klassensieg in seinen Besitz zu bringen.

Im Qualifying zu Rennen eins der Tourenwagen, drückte der Berliner Sebastian Dross mit seinem 2101 gewaltig auf die Tube und zeigte den folgen Samaras von Dieter Hoffmann, Rocco Berger und Peter Gröning gleich mal an, das hier in der HAIGO keine Samara-Festspiele stattfinden. Ich habe es schon in der Vergangenheit immer und immer wieder betont, dass es solange es immer wieder einen anderen Typ in den Läufen als Sieger geben wird, ich keine Veranlassung sehe, dass wir irgendetwas am technischen Reglement ändern. Dann kommt noch dazu, das die Rundenzeiten der Tourenwagen so eng zusammen liegen, dass man im Vorfeld ohne eine Chance ist, wenn man eine Prognose zum Rennen abgeben muss. Der Sieger kann bei den Tourenwagen kann praktisch jeder sein.

Genauso kam es dann auch, sie balgten sich zum Gaudi der Zuschauer wie die Profis. Sie ließen sich Luft zum Leben, gaben aber keinen Zentimeter freiwillig her. Bis Runde sieben konnte Dieter Hoffmann seine Führung immer am Start und Ziel vorbei verteidigen, dann aber machte Sebastian Dross die Trickkiste auf und hatte Dieter Hoffmann solange unter Druck gesetzt, das die Reifen des Samara langsam an Haftung verloren. Das nutzten natürlich sofort Rocco Berger und Peter Gröning schamlos aus und reichten den wieder hervorragend fahrenden Dieter Hoffmann durch bis Platz vier. Aber dann ging es erst richtig los und die Stunde des Peter Gröning schien gekommen zu sein. Der „Randberliner“ hatte ja in der Vergangenheit eine ganze Menge Trödel mit dem ex. Lubner – Auto, aber nun scheint Fortuna ein Einsehen mit ihm zu haben. Zwei Runden vor Ultimo griff er den führenden Sebastian Dross an und trotz Gegenwehr kam er irgendwo vorbei und rauchte mit seinem ALBA – Samara über die Ziellinie – Geschafft. Dahinter folgten im Sekunden Takt – Sebastian Dross, Rocco Berger, Dieter Hoffmann (der neue Meister) Fritz Berger Werner Liebers, Holger Kiwatt, Frank Lode, Dirk Förster, Jonny Schönfelder, Michael Weißenborn und Ronalds Senavski. Eben dieser Ronalds Senavski war der Vorbote der Lettischen Lada-Fraktion und sollte als so eine Art „Guide“ die HAIGO besuchen, testen und zu Hause berichten, ob die HAIGO für nächstes Jahr auf ein Team aus Lettland vorbereitet ist. Ich glaube das Ronalds gute Eindrücke mit nach Hause nehmen konnte und wir auch gut vorbereitet sind.

Qualifying der Formel für Rennen zwei am Sonntag – 9.10 Uhr. Jaak Kuul machte gleich dort weiter, wo er am Samstag – Nachmittag aufgehört hatte und stelle seinen Estonia 21 auf die Pole. Ich möchte hier mal die Abstände aufschreiben, wie dicht diese „Truppe“ zusammen gerückt ist.
– Kuul = 1:41, 405, Wilms = 1:41,505, Koitsch = 1:41,717, Weber = 1:41,851 und Schwarze = 1:42,219, wer wollte da einen Tipp über Sieg oder Niederlage abgeben?

Dann war es soweit, sie rollten in ihre Startfelder und wenn da einer nicht richtig drin steht, gibt es Start – Abbruch. Noch schlimmer ist es, wenn das 5 Sek.-Schild gezeigt wird und einer bewegt sich auch nur ein paar Zentimeter, dann kommt nach max. zwei Runden das Schild „Drive Through“ d.h. einmal mit 60 Km/h durch die Boxengasse. Das hängt mit der E-Schleife im Streckenbelag zusammen, die sofort ein Signal in die Zeitnahme abgibt und „Fehlstart“ wird angezeigt und bestraft. So passierte es Andrzej Fontanski, der diese Strafe aber nicht akzeptieren wollte, drei Mal an der Tafel mit der Aufforderung „Drive Through“ vorbei fuhr und dann ganz disqualifiziert wurde.

Schade, denn er hatte sich einen schönen Kampf mit Silvio Keilig geliefert. Wie schon so oft, schoss Nils-Holger Wilms vom Start los wie von der Tarantel gestochen und ließ Jaak Kuul auch nicht die Spur einer Chance. Jörg Koitsch konnte das Tempo bis Runde zwei mithalten, aber dann war es schon vorbei – Wasser weg. Jaak Kuul hätte nun die Möglichkeit gehabt zu Wilms auf zu schließen, aber er kam dem Spitzenreiter keinen Schritt näher. Bernd Weber lauerte dahinter und hatte mehr damit zu tun, dass ihm Falk Schwarze nicht zu nahe kam. Ab der neunten Runde wurde auf einmal Kuul merklich langsamer und Weber und Schwarze kamen ohne Gegenwehr vorbei. In die letzte Runde führte Nils-Holger Wilms das Feld mit einem beruhigten Vorsprung an und stellte seinen Sieg sicher. Dahinter Bernd Weber, Falk Schwarze, Jaak Kuul – der keinen dritten Gang mehr hatte und Jacky Thalmann vor Blazej Wojciechowski und Lech Wojciecowski (sie sind aber nicht verwand), Hans-Jürgen Vogel, Gunter Schönfeld, Ralph Scholz, Lutz Stallbaum und Silvio Keilig.

Im zweiten Rennen der Tourenwagen war natürlich „Pfeffer“ drin, denn die Schmach die Sebastian den Samara – Tretern zugefügt hatte, sollte natürlich wieder wett gemacht werden. Aber wie so oft, kommt alles anders als man denkt. Denn die große Show war schon zu Ende, ehe das Rennen überhaupt begann. Mitten im Countdown, alles war schon im roten Bereich, zeigte Rocco Berger „Defekt“ an und der Rennleiter brach sofort den Start ab. Rocco und sein Samara wurden in die Boxengasse geschoben und die Start – Prozedur begann von vorn. Das ist natürlich eine hervorragende Medizin für die Nerven der übrigen Truppe. Wie erwartet legten Fritz Berger und Dieter Hoffmann einen Start hin, der mir einen Funkspruch vom Rennleiter bescherte, in dem es hieß „Ganz knapp – was machen wir“ !!! Aber ganz knapp ist eben nicht leicht zu definieren und wir entschieden uns für weiter fahren. So kam Dieter Hoffmann als Spitzenreiter aus der ersten Runde, aber nur Zentimeter dahinter Sebastian Dross. Dann tauchte aber auch schon Fritz Berger auf der am Start Peter Gröning abhängen konnte. Dann Michael Weißenborn, Werner Liebers, Holger Kiwatt, Dirk Förster, Jonny Schönfelder, Ronalds Senavkis, Henry Bog und dann eine „Unmenge“ der kleinen FIAT – 126, die wieder mit uns an den Start gingen. Das ist für die „Großen“ nicht immer ganz einfach, aber sie haben sich nun schon bei einigen Rennen irgendwie arrangiert. Der Kampf an der Spitze war auf jeden Fall ganz nach dem Geschmack der polnischen Zuschauer. Ich kann nicht polnisch, aber die Namen Hoffmann und Dross habe ich schon verstanden, den einige schlossen Wetten ab, wer denn von den Beiden in der nächsten Runde als Erster vorbeikommen wird. Ab Runde drei war es immer Sebastian Dross vor Dieter Hoffman und Peter Gröning, der am Schluss noch vom Ausfall des Fritz Berger profitieren konnte. In Runde elf hatte ich am Ziel folgende Reihenfolge:
Dross, Hoffmann, Gröning, Weißenborn, Liebers, Förster, Kiwatt, Rocco Berger, Ronalds Senavkis und Henry Bog.

Übrigens hatte der Pechvogel Rocco Berger am Sonntag Geburtstag und Tino Löwe führte den von der Fahrerschaft ausgesuchten Film „Le Mans“ im Fahrerlager vor.
Herzliche Gratulation noch nachträglich an Rocco und ein Dankeschön an Tino, der damit der HAIGO eine neue Note beschert hat.

Stromhardt Kraft