Most – zum „Ersten“ 2011

Diese Überschrift hat nur symbolischen Charakter, denn wir sind vom 05. – 07. August noch einmal in Most und ich hoffe, dass wir auch 2012 wieder dort zu Gast sein dürfen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die HAIGO in Most ein gern gesehener Gast ist und daran will ich auch gar nichts ändern. Fast alle der Fahrer lieben die Strecke und es ist ja nun schon bald ein „Heimspiel“ für die HAIGO geworden. Es waren wieder drei wirklich gute Renntage und der alte Mann dort oben im Himmel, hatte mit der HAIGO – Truppe Mitleid und ließ für die Tourenwagen und auch für die Formel, die Strecke zu allen vier Rennen trocken. Obwohl sich doch ein paar wenige, von ganzem Herzen Regen gewünscht hätten, aber so ist es nun Mal, auch Petrus kann es nicht allen gerecht machen.

Am Freitag – Nachmittag war freies Training und 80% der Fahrerschaft nutzte die Gelegenheit, um zu testen. Nur unser Altmeister Heinz Siegert, scheint das Pech in diesem Jahr gepachtet zu haben. Schon nach ein paar Runden kam Heinz am „Strick“ ins Fahrerlager zurück und meldete sich für das Wochenende ab.

Samstag – Mittag war dann das Qualifying für die Formel und gleich danach durften die „Blechautos“ ihre Startplätze für Sonntag ausfahren. Alles ging gut und wir hatten erstaunlich wenig Defekte zu beklagen. Es musste nur ein „Bittgesuch“ bei der Rennleitung eingereicht werden, weil der Fahrer nur eine, der zwei Pflichtrunden geschafft hatte. Das ist für unser altes Eisen schon eine bemerkenswerte Leistung und wir sollten in Zukunft immer mehr Augenmerk auf „Ankommen“ legen, denn der Drang nach mehr Leistung, ist im historischen Rennsport sowieso nicht von Bedeutung und auch nicht erwünscht. Darüber wird es auch in Zukunft immer wieder Diskussionen geben, aber wer eben am Wochenende und im Fahrerlager unbedingt bis an die Ellenbogen im Motor oder Getriebe rum werkeln muss, der sollte das besser zu Hause tun.

Zu meiner Freude war am Samstag wieder „Stammgast“ Vaclav Lim zu Gast im HAIGO – Fahrerlager und er hatte keinen geringeren als den einstigen MTX – Spitzenfahrer Jiri Moskal mit gebracht. Leider hatte ich nicht viel Zeit und keiner der Beiden spricht englisch und ich kann nach den vielen Jahren, immer noch nicht tschechisch, leider. Der Sohn von Vaclav Lim, Hanus Lim, war dann am Sonntag mit seiner neuen Flamme Jana da und er erzählte mir, dass Papa und Jiri Moskal, voll des Lobes über den hervorragenden Zustand der HAIGO – Rennwagen waren. Besonders war den Beiden das Auto von Gerhard Dietrich aufgefallen und sie waren der Meinung, dass es eigentlich zu schade wäre, um damit Rennen zu fahren. Danke Gerhard, vielleicht sieht der von Dir vorbereitete MT 77, auch wieder so schön aus, ich traue Dir das zu.

Dass die Formel das ganze Wochenende, immer vor den Tourenwagen dran war, war mal nicht mein Werk, sondern das der Rennleitung in Most. Als dann die Zeitlisten raus kamen, gab es eigentlich keine großen Überraschungen, denn „Dauerbrenner“ Wilms, hatte mit einer 1.45,1 (!) eine Rundenzeit vorgelegt, die schon darauf schließen ließ, dass er nicht nur zum Spaß nach Most gekommen war. Mit Respektabstand von einer reichlichen Sekunde folgte das Feld der Mondialer in der Reihenfolge, Opitz, Schwarze, Thalmann, Kuul, Hoffmann und Koitsch und dann tauchte schon der erste „Easter“ mit Worm jun. auf. Ihm folgenden mit Abstand Hennig und Jakob, die damit eigentlich auch schon andeuteten, dass sie aufs „Treppchen“ wollten.

Wenn nur die Talsohle der HAIGO – Tourenwagen bald ein Ende hätte, was die zwölf „Tapferen“ für einen hervorragenden Motorsport bieten, dass ist auf alle Fälle sehenswert. Die Pole von Kai-Uwe Rossner (2105) war eine reine Glückssache, denn schon 62- Tausendstel dahinter folgte Tibor Georg (Samara). Dann schon mit etwas Abstand, aber auch nur 1,3 Sek. folgte Kiwatt (2101), Fischer (Samara), Haupt (Melkus-Spyder), Berger jun. (Samara), Hornik (2105), Weißenborn (2101), Liebers (Zastava) und Fritz Berger (Samara). Dahinter dann die beiden Trabant, mit Robert Berger und Peter Gröning, die fast die Zeiten der „Großen“ erreichten.

Am Sonntag – Morgen, genau 9:52 Uhr, schlug dann die Stunde der Wahrheit für die Formel – Leute. Henrik Opitz erwischte einen ganz tollen Start und ich hatte schon arge Bedenken, dass es ein Fehlstart war. Aber die in die Straße eingelassene „Induktionsschleife“ reagierte nicht und er konnte so die erste „Rechts“ als erster ansteuern. Unser Freund Jaak Kuul wollte wie immer, das Rennen schon in der ersten Kurve gewinnen und räumte dabei fast Schwarze und Keilig ab. Zum Glück für alle Beteiligten, ging diese Aktion noch mal gut aus und alle kamen unbeschadet ins Fahrerlager zurück. Kuul bekam dafür vom Rennleiter, am Start zum zweiten Rennen, die „gelber Karte“ und er war danach sogar einsichtig, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. Am Ende der 10 Runden war wieder alles beim „Alten“ – denn Wilms hatte ausgeträumt und machte mit der ganzen Gesellschaft kurzen Prozess. Aber immerhin auf Sichtweite, überquerten nach ihm Opitz, Thalmann, Schwarze, Kuul, Keilig und Koitsch die Ziellinie.

In der kleinen „Fraktion“ hatte Hennig wieder mit der komischen „Hexe“ zu tun, den sein MT 77 wollte schon in der Startaufstellung nicht mehr anspringen, dass Rettungstor wurde geöffnet und „Micha“ musste aus der Boxengasse starten und das ganze Feld vor sich her jagen. Die ganze Aktion spielte natürlich dem „kleinen“ Worm in die Karten und der hatte die Zeichen der Zeit erkannt und fuhr ein ganz diszipliniertes Rennen nach Hause. Hennig machte die ganze Sache natürlich gar keinen Spaß und so verdrängte er kurz vor Toresschluss, den fast schon sicheren Frank Jakob vom „Silberplatz“. Tapfer hielt auch Lutz Stallbaum bis zum Ende durch, denn seine linke „Führungshand“ war nach Poznan, doch schon arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Der „Nachtarbeiter“ Peter Benz, wird immer besser, aber er brauchte eben mal Pause, denn wer kann schon Dauerfeuer schießen, ohne zu laden. Am Ende des ersten Rennens fehlten Wolters, Hoffmann, Vogel und Stehr, alle mit technischen Defekten.

Dann kam die Stunde der Tourenwagen und die hatte es in sich. Wie schon erwähnt, standen in der ersten Reihe Rossner und Georg, um nur ein paar Bruchteile von einer Sekunden getrennt. Also konnte man davon ausgehen, dass diese Beiden das „Ding“ irgendwie nach Gera oder nach Mühlhausen holen würden. Rossner schaffte es dieses Mal sogar, ohne Probleme, sein Auto zur richtigen Zeit in Gang zu bringen. Beide zischten los, als ob es kein Morgen gibt und dann kam keiner von beiden mehr am Start – und Ziel vorbei. Was war passiert, beide verweigerten dem Streckensprecher Wolfgang Wirt, nach dem Rennen, ein Interview. Ich musste auch zweimal fragen, ehe sie mit der Sprache raus rückten. Der Samara von Georg, hatte ihm die „Hatz“ übelgenommen und die Bremse versagte ihren Dienst. Eine ernste Sache, denn der alte Spruch: Wer bremst hat Angst – ist natürlich Quatsch, denn jedes Auto ist nur so schnell wie seine Bremse. Jedenfalls kamen Beide sehr viel später, mit etwas randalierter Heck oder eben Frontpartie wieder am Turm vorbei und fuhren nur noch auf Ankommen. Dabei hatte Rossner allerdings die besseren Karten und seine russische, viereckige „Diva“ war ja nur hinten ein wenig außer Form geraten. Nachdem auch noch Fischer seinen Samara abgestellt hatte, dirigierte aber ein ganz anderer an dem Sonntag – Morgen die Musik. Nach dem die sich dort vorn ordentlich bekriegt hatten, zog Norbert Haupt mit dem Melkus-Spyder und seinen 1120 ccm, dem Feld auf und davon. Nur der „alte Fritz“ aus Potsdam, gemeint ist natürlich der Papa von Rocco Berger, konnte dem Zweitakt – Gekreische aus Niederkaina, halbwegs folgen. Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte, dieses alte Sprichwort erhielt in Most 2011 eine Neuauflage. Nach nur 34 Sekunden, waren alle der neun noch im Rennen befindlichen Tourenwagen im Ziel, großartig. Die karrierte Flagge sahen Fischer, Kiwatt und Weißenborn leider nicht.

Da in Most, hervorgerufen durch die tschechische Meisterschaft, wir mit dem Zeitplan vorlieb nehmen müssen, der nun mal vorgegeben ist, musste die Startaufstellung für Rennen zwei, aus dem Einlauf des Rennens eins, erstellt werden. Das hat natürlich Vor-und auch Nachteile. Die, die beim Rennen eins vorn waren, stehen wieder vorn und die, die Pech hatten, können sich nicht mehr über ein Quali II, nach vorn schieben. Aber sei es wie es sei, wir werden es überstehen und nach Regen folgt bekanntlich immer Sonnenschein.
Im Heat II am Sonntag – Nachmittag, gelang sogar Nils-Holger Wilms der Start und damit hätte ihn nur noch die schon bekannte „Hexe“ aufhalten können. Er spulte wieder mit einer 1.45,9 seine Runden ab und landete einen ganz klaren Start- Ziel- Sieg. Hendrik Opitz konnte ein paar Runden ganz gut folgen, aber dann rollte sein ML 89 in der Schikane aus. Falk Schwarze konnte das von hinten natürlich gut sehen und brachte seinen MTX 1-06 ganz sicher vor Jacky Thalmann ins Ziel. Der Gast aus Tallinn war ja vom Rennleiter „eingebremst“ und fehlte auch nach fünf Runden ganz und gar. Auf Sichtabstand zu „Jacky“ kamen Jörg Koitsch, Thomas Hoffmann und unser „Medizinmann“ Kai-Patrik Braun, über die Linie.

Danach kamen dann aber schon die „kleinen“ der Formel Easter, die wieder Worm jun. anführte. Gefolgt von Michael Hennig und Peter Benz und nur Fred Stehr mit dem König, konnte Frank Jakob davon abhalten, noch eine Attacke auf Benz zu starten. Ich finde es sehr schön, wie fair und sportlich die beiden Klassen im Feld der HAIGO-Formel, miteinander Rennen fahren. Wenn es dennoch mal ein Problem gibt, dann „reden“ die Fahrer hinterher darüber und alles ist wieder im Lot.

Im letzten Rennen des Tages, wollte natürlich Tibor Georg seine Schmach vom Vormittag wieder gut machen und zeigte eine einwandfreie „Kür“, wobei ihm Jens-Uwe Fischer die Sache unbedingt streitig machen wollte. Aber ich glaube, dass diese „Herren“ schlau genug waren, den Anschein hatte man als beteiligter „Zuschauer“ allemal, dass sie ihre Meisterschaftspunkte auf gar keinen Fall verschenken wollten. Nach abermals 10 Runden, überquerten die zehn noch übrig gebliebenen Tourenwagen die Ziellinie in nur 55,8 Sekunden und das nötigt Respekt ab.

Die Reihenfolge am Pfingst-Sonntag war: Georg, Fischer, Rossner, F. Berger, Haupt, Berger jun. Liebers, Robert Berger, Hornik und Gröning. Kiwatt war nicht mehr angetreten und Weißenborn viel nach fünf Runden aus.

Eine Bemerkung sei mir hier noch erlaubt, mit uns im Rahmenprogramm startete auch die CIK – Superkart – Europameisterschaft in Most. Diese kleinen „Rennwagen“ waren eine Augenweite und ihr Tempo einfach irrsinnig. Das Team Hentschel aus Elstra bei Kamenz, ist mit mir schon seit Mitte der sechziger Jahre befreundet und so konnte ich mit Worm sen. mal einen Besuch abstatten. Also, diese Geräte erreichen auf der Start-und Zielgeraden in Most so an die 250 Km/h und sind im Schnitt 12 Sekunden schneller auf die Runde, als unser Nils-Holger Wilms. Am Start waren immerhin 38 dieser Flitzer und sie kamen aus ganz Europa.

Wer da nicht zuschauen war, der hat was verpasst, aber vielleicht treffen wie diese Truppe ja noch einmal. Auf alle Fälle sind sie genau so aufgestellt wie die HAIGO, aber sie haben ein ganz knallhartes Reglement und wer nicht folgt, muss beim geringsten Verstoß Strafe zahlen. Ungefähr so wie ihr, wenn ihr in Most das Tempo in der Boxengasse überschritten hättet.

Ich wünsche Euch eine schöne „Sommerpause“ und vielleicht sieht sich der eine oder andere in Schleiz.

Stromhardt Kraft und Anett