Licht und Schatten

Die einzige Veranstaltung im Rennkalender der HAIGO mit mehr Kilometer als nur um die „Ecke“ ist nach wie vor Poznan. Wenn ich mal ein wenig zurück denke und mir überlege, wo ich nach der Wende in Europa überall am Start war, dann ist es nach Poznan ja nur ein „Katzensprung“. Für viele ist es jetzt allerdings eine schier unzumutbare Belastung, wenn man einmal im Jahr nach Poznan fahren soll, um dort zwei Wertungsläufe der HAIGO zu absolvieren. Voriges Jahr musste ich schon auf die Tourenwagen verzichten, weil nur fünf Nennungen eingegangen waren. Dieses Jahr waren es doppelt so viele und ich glaubte doch tatsächlich, dass der Rückgang der Tourenwagen überstanden ist. Leider hatte ich mich zu früh gefreut, denn am Ziel des zweiten Laufes waren es eben wieder nur noch fünf „Eiserne“ die durchgehalten hatten. Die Gründe dafür machen mich einfach nur traurig, weil die Ursachen dafür einfach nur „Hausgemacht“ sind. Nur zu gut kann ich mich an die unglaubliche Dominanz eines Peter Mücke mit seinem Zastava erinnern und ich kann mich auch noch gut daran erinnern, dass deshalb kein einziger Fahrer damals aus Frust dem Start fern geblieben wäre. In der HAIGO passieren jetzt solche Dinge und ich kann dafür eigentlich gar keine Worte finden. Nur eine Frage soll mir hier erlaubt sein – was sind das für Sportler?

Die andere Seite der HAIGO – Medaille ist die Truppe der Formelfahrer. Auch dort gab es in der jüngsten Vergangenheit recht merkwürdige Tendenzen, die aber nur von einem ganz kleinen Teil der Fahrerschaft veranstaltet wurden und die nun zum Glück vorüber sind. Wenn man gemeinsam Motorsport betreiben will, muss man zuerst immer über aufgetretene Probleme reden. Dann gemeinsam nach einer Lösung suchen und dabei die persönlichen Belange in den Hintergrund stellen, um der gemeinsamen Sache zu dienen. Das ist das „Grundsätzliche“ was im Vordergrund stehen muss und ich habe diese Philosophie in den letzten neun Jahren immer vertreten und der Erfolg am Wochenende in Poznan hat mir wieder Recht gegeben. Schade nur, dass zur gleichen Zeit in Polen ein Wertungslauf zur Bergmeisterschaft ausgeschrieben war, sonst hätte die HAIGO den Rekord der Teilnehmer im Formelfeld von 1986, ganz locker brechen können.

Der Präsident des Automobilclub Wielkopolskie, Herr Robert Werle und der Delegierte der CEZ, Herr Ludovik Drus (SK), sprachen mir am Sonntag ein großes Lob aus und wünschen der HAIGO und ihren Fahrern für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg. Wenn man so etwas in Empfang nehmen kann und dann sieht was zu Hause in Schleiz passiert, dann kann unser Weg nur der Richtige sein.

Nun aber zur Sache, denn Rennen gefahren sind wir in Poznan ja auch noch. Nur gut das es mir möglich war, schon am Donnerstag-Abend im Fahrerlager zu sein, denn Rennleiter Bielinski hatte doch tatsächlich 215 (!) Autos eingeladen, das Fahrerlager provisorisch vergrößert und für die HAIGO war plötzlich kein Platz mehr da. Wie so etwas unbürokratisch gelöst wird, wurde mir dann innerhalb von 50 Minuten gezeigt. Die polnischen Teilnehmer bauten auf einer Fläche von 2600 m² alle ihre Zelte und „Wagenburgen“ ab, stellten alles am Waldrand neu auf und die HAIGO zog ohne Probleme ins internationale Fahrerlager ein. Was dann noch an Stromanschlüssen nach gerüstet wurde, dass hatte einfach nur Klasse. Die Fahrer Dross, Braun und Kuul, hatten den Anschluss ein wenig verpasst und standen ohne Strom da. Ganze 45 Minuten später, wurde für die drei ein neuer Verteiler installiert und die Welt war wieder in Ordnung. Die doch recht veralteten Toiletten wurden in den Tagen regelmäßig alle drei Stunden geputzt und ich habe keinen meckern gehört. Das das Training am Freitag-Abend für die Klassen nach uns war erst 20:30 Uhr zu Ende, das sind wir in Poznan ja schon gewöhnt, wie lange das noch gut geht, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Die freien Trainings überspringe ich hier einfach mal, weil da nichts Besonderes passierte und beginne mit dem Qualifying der Formel, am Samstag 09:35 Uhr. Wie schon am Anfang erwähnt, war es schon ein imposantes Bild, wenn die vielen Formel auf die Reise geschickt werden. Mir geht es dabei immer nicht besonders gut, weil ich eben immer noch mit fahre. Ganz schlimm erwischte es Jacky Thalmann, ein Motorplatzer setzte seinen Estonia in Flammen und die Feuerwehr besprühte sein Auto von oben bis unten mit diesem „hervorragenden“ Löschmittel. Klaus Tanzmann, Falk Schwarze, Nils-Holger Wilms, Thomas Hoffmann und Jaak Kuul kamen in den ersten Runden bei mir vorbei, als ob es kein Morgen gäbe. Bei jeder Fahrerbesprechung erinnere ich die Akteure immer wieder daran, den Verstand zu gebrauchen und auf jeden Fall wieder gesund zurück zu kommen, aber ich glaube sie hatten meine Worte schon wieder mal vergessen. Am Ende stellte Thomas Hoffmann seinen Estonia auf die Pole und nur 45/100 dahinter folgte schon Falk Schwarze, der wieder von N.-H. Wilms, Tanzmann und Kuul arg bedrängt wurde.

Gegen 15:50 Uhr war es dann soweit.
Ich hatte mich schon so hin gestellt, dass Jacky sehen konnte wo sein „Parkplatz“ ist aber mir blieb fast das Herz stehen. Er kam auf mich zu und brannte wieder lichterloh. Die Hitzeschutz-Bandage an den Krümmerrohren hatte sich voll gesaugt, keiner hatte darauf geachtet, auf dem Weg zum Start hatte sich der ganze Laden natürlich wieder entzündet. Der Feuerwehrmann verstand zum Glück Englisch und so gab er nur einen kurzen Schaumstoß in den Motorraum, damit nicht alles zum Teufel geht. Als wir aber glaubten das Feuer sei aus, gab es eine erneute kleine Verpuffung und nun musste der gute Mann volle Pulle rein halten. Feuer aus und Jacky raus.

Dann begann die Jagd und endete für zu viele mit technischen Defekten. Die ganz große Show des Klaus Tanzmann sollte es werden, denn der Leipziger machte mächtig Dampf auf, setzte sich an die Spitze und nach nur drei Runden verrauchte sein Motor am Ende der Start – und Zielgeraden. Er sollte aber nicht der Einzige bleiben, denn ihm folgen mit technischen „Gebrechen“ Schönfeld, Braun, Keilig, Worm, Heidicke, Weber, Vogel, Wojciewowski, Koitsch und Mikiciuk. Falk Schwarze, der Oberländer aus Ebersbach, hatte an dem Wochenende wahrscheinlich einen Bund mit Fortuna geschlossen, denn er hatte am Ende die Nase seines MTX vorn und huschte vor Hoffmann und Wilms über die Linie. Wie knapp das war, will ich hier mal in Zahlen darstellen:
Schwarze 20 : 54,643
Hoffmann 20 : 54,692
Wilms 20 : 55,318
als Gesamtfahrzeit nach 12 Runden.

Dahinter folgten Kuul, Mühle, und dann schon der erste Easter mit Jens Maik, der aber an dem Tag ganz schön von der polnischen Garde bedrängt wurde, denn Andrej Fontanski konnte sogar Michael Hennig noch nieder ringen und aufs Treppchen fahren. Die Tourenwagen wurden 10:40 Uhr an den Start gerufen und das kleine Feld gab sich alle Mühe, aber Poznan ist eben nicht Oschersleben und so dauerte es schon eine Weile, bis sie wieder in Sicht und vorbei kamen. Dieter Hoffmann und sein Samara dominieren dieses Jahr die HAIGO und nur Rocco Berger kann dem Thüringer die Suppe versalzen. Peter Gröning kommt so langsam in Tritt und hat die Umstellung vom Trabi auf den Samara wohl nicht bereut. Sebastian Dross, Fritz Berger, Kai-Uwe Rossner, Werner Liebers und Jonny Schönfelder hatten da vorn im Moment nicht viel Gelegenheit mit ein zu greifen.

Man kann es eigentlich gar nicht glauben, aber der Start der Tourenwagen war doch tatsächlich 18:45 Uhr (!). Außer Sebastian Dross erreichten alle das Ziel und Rocco Berger gelang es doch tatsächlich den Dieter Hoffmann da draußen irgendwo ein Schnippchen zu schlagen und vor ihm die Karierte Flagge als Erster zu sehen. Das soll beim Überrunden von Jonny Schönfelder passiert sein, denn noch auf dem Siegerpodest feixten sich die Beiden bald kaputt, über die Schlitzohrigkeit von Rocco.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag ging im Fahrerlager ein Wolkenbruch nieder, bei dem ich schon das Wort „Hochwasser“ nicht mehr hören konnte. Aber alles ging noch mal gut, den die Nässe vom Sachsenring steckt ja immer noch bei allen irgendwie drin. Die Rennleitung hatte ein Zeitproblem am Sonntag, denn ich hatte gebeten, dass die HAIGO nicht so spät ins Programm genommen wird, weil wir alle irgendwie am Montag wieder zur Arbeit müssen. Leider hatte die FIA etwas dagegen und so musste die Rennleitung das Hauptrennen, die FIA Endurance Championship auf 14:00 Uhr vorverlegen und wir rutschten dadurch um zwei Stunden nach hinten. Da unsere polnischen Freunde mit ihrer Maluch Trophy ja zu Hause waren, erging es ihnen so wie uns, sie waren die „Letzten“ und als ich 19:00 Uhr über die Brücke zum Tor fuhr, begannen die kleinen 650 ccm Renner ihre zweite Runde. Also am Sonntag die Formel vor den Tourenwagen und 16:30 Uhr ging es los. N.-H. Wilms hatte im Quali am Sonntag früh die Weichen auf Sieg gestellt und wollte da nichts mehr anbrennen lassen. Alle standen am Sonntag zum Rennen wieder mit reparierter Technik am Start und sogar Jacky Thalmann, der mit Bravour seinen Brandschaden vom Vortag in den Griff bekommen hatte, rollte als Letzter in die Startaufstellung.

Außer Silvio Keilig, der war ein Opfer der Zeitverschiebung geworden und musste sich aus privaten Gründen abmelden. Was dann kam, war schon ein wenig Krimi, denn Thomas Hoffmann sah schon so wie der Sieger aus, aber seine Kupplung sagte nach ein paar Runden einfach „Tschüß“. Er hatte N.-H. Wilms niedergerungen und Jaak Kuul mit nach vorn geschleppt, dass passte natürlich Falk Schwarze gar nicht, weil die beiden noch eine alte Rechnung offen haben und so machte Falk Druck und es gelang ihm an dem Tag wohl irgendwie alles. Er gewann das „Ding“ ganz sicher vor Wilms und Kuul und riss beide Hände hoch als er über die Linie donnerte. Seine Freude war berechtigt, aber die Sportkommissare bestraften diese Tat noch glimpflich mit 100,00 EUR, denn so was kann auch mal einen „Tausender“ kosten. Ich sage es immer wieder, die HAIGO ist kein Kindergarten mehr und wir bewegen uns auf internationalen Parkett. Dass soll auch eine Warnung an die sein, die immer noch glauben, dass die Regeln immer nur für die anderen Gültigkeit haben. Gefreut habe ich mich besonders über die „Nachtarbeiter“ Worm, Vogel und Thalmann und über Kay-Patrick Braun. Unser „Medizinmann“ kam als fünfter in Ziel und das war nach so langer Durststrecke auch wie ein kleiner Sieg. Die Easter Fraktion wurde in Polen besonders beachtet, weil einige ihrer Fahrer nun bei uns in der Klasse bis 1300 cm³ starten. Fontanski hatte zwar einen Zahnriemen-Motor drin, aber es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis auch die Freunde aus Polen auf dem HAIGO-Niveau ankommen, denn das erste Achtungszeichen kam schon von Lech Wojciehowski. Er gewann am Sonntag die Easter souverän vor Jens Maik und eben Fontanski. Zu den Pechvögeln des Wochenendes gehörte auch Bernd Weber, seine Odysee begann schon am Donnertag zu Hause in Leipzig. Nach dem Verladen des Equipments, streikte das Wohnmobil und Bernd musste sich mit einem Vito- Kasten noch Poznan „schleppen“. Damit war aber das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht, bei allen Einsätzen am Wochenende hatte er nur einen „Dreizylinder“ zur Verfügung und das reichte natürlich nicht hinten und nicht vorn. Aber er ist wieder gut in Leipzig angekommen und wir sehen uns in Most ganz sicher.

Über das Rennen der Tourenwagen, dass dann am Ende noch ganze vier Autos im Ziel sah, möchte ich mich hier nicht weiter auslassen. Allerdings haben die „Eisernen“ ein Lob verdient. Denn wenn sie auch noch die Flinte ins Korn geworfen hätten, wäre die Klasse HAIGO – Tourenwagen zum letzten Mal am Start gewesen. Besonderer Dank gilt hier Jonny Schönfelder, obwohl sein Team ihn im „Regen“ stehen ließ, ging er ohne Helfer und ohne zu murren an den Start verheizte noch seine Kupplung und musste in der Boxengasse parken. Danke Jonny für dein sportliches Verhalten. Der Einlauf am Sonntag war – Dieter Hoffmann vor Rocco Berger und Fritz Berger und Werner Liebers. Werner, der sich das ganze Wochenende mit drei Stoßdämpfern begnügen musste, kämpfte in jeder Linkskurve am Lenkrad wie ein Mann, man muss auch mal mit Handicup fahren können und Werner hatte auch noch Spaß daran.

Viel Spaß beim Schrauben für Most
Stromhardt Kraft