In Most war Halbzeit

Das nun auch die Wirtschaftskrise in Tschechien angekommen ist, dass konnte man bei dem einzigen Autorennen (außer der Truck-EM), was das Autodrom in diesem Jahr veranstaltet, deutlich spüren. Das sich die Mitarbeiter aber trotzdem alle Mühe geben, auch das konnte man beobachten. Bis auf die Abfertigung bei der Einreise ins Fahrerlager, gab es eigentlich nichts zu meckern. Entschuldigung, denn das Team von Andreas Taudte hatte eine berechtigte Kritik zu vermelden. Total Ausfall, aber nicht beim Rennen, sondern beim Essen. Andreas und seine tapferen „Schrauber“ verbrachten die Nacht und auch noch ein Stück des Sonntag, auf der Herren-Toilette. Gute Besserung von mir an dieser Stelle und zum Glück hat es nicht noch mehr HAIGOs betroffen, denn sonst wäre das sowieso schon schwache Feld der Teilnehmer, noch mehr geschrumpft.

Die HAIGO – Tourenwagen waren am ganzen Wochenende immer vor der Formel dran, dass kann manchmal von Vorteil oder aber auch ein Nachteil sein. In Most war es dieses Jahr wohl eher ausgeglichen, denn das Wetter meinte es mit beiden Klassen gut und alle vier Rennen fanden bei trockener Strecke statt. Sogar einige hundert Zuschauer hatte es an die Strecke gelockt und sie wurden nicht enttäuscht.

Unsere Tourenwagen, hatten zum ersten Mal seit langer Zeit, Gäste aus Polen in der Startaufstellung. Allerdings keine Ladas, Zastavas oder Trabant, sondern die wirklich ganz kleinen Fiat 126, die einen Lauf für ihre „Maluch-Trophy“ nach Most verlegt hatten. Die ganze Sache hatte sich in Poznan heraus gestellt und ich war glücklich, dass alles wirklich so abgelaufen ist, wie ich es mit den polnischen Sportfreunden geplant hatte. Das der „Macher“ der Maluch-Trophy ein Belgier ist und seit acht Jahren in Polen lebt, dass soll hier nur am Rande erwähnt werden, denn die Nationalität sollte im Motorsport keine Rolle spielen.

Das der einzige Unfall am Rennwochenende, ausgerechnet durch so einen kleinen Fiat ausgelöst wurde, hat überhaupt nichts zu sagen, denn im vorigen Jahr, fast genau an gleicher Stelle, waren es eben zwei HAIGOs die sich „küssen“ mussten. Der Leidtragende allerdings, sah gar nicht glücklich aus, denn Kai-Uwe Rossner hat nun schon den zweiten zerknitterten 2105 in der Garage stehen und das innerhalb von fünf Monaten. Von dieser Stelle aus die besten Grüße nach Gera und ich hoffe, dass Teamchef Thomas Ritz das „Ding“ bis zum Lausitzring (24.-26.08.12) wieder auf die Räder bringt.

Das Qualifying der Tourenwagen, wurde von Gaststarter Dieter Hoffmann (das ist tatsächlich der Papa von Thomas) bestimmt, der sich mit den Samaras von Lubner-Motorsport, scheinbar prima auskennt. Ihm folgten in der Startaufstellung Rocco Berger, Fischer, Rossner, Liebers, Dross, Fritz Berger, Kiwatt, Weissenborn und Thomas. Natürlich die Überraschung schlecht hin, denn Maik Thomas stellte doch tatsächlich seinen vollkommen neu restaurierten „Favorit“ vor und erntete rund herum nur Lob. Das es nicht gleich ein Sieg wurde, dass wusste auch Maik zu gut, aber bei Stimme war der Skoda schon ganz schön. Eine Erinnerung an die Tourenwagen-Fahrer, bitte denkt daran, dass die Lautstärke Bestimmungen auf dem Lausitzring anders gehandhabt werden, als in Most.

Dann endlich ging es los und alle kamen gut vom Start weg. Hoffman landete den erwarteten Start-Ziel-Sieg und ließ sich auf keine Kampfhandlungen ein. Dahinter machten aber Fischer, Rossner und Dross Motorsport vom Feinsten. Allerdings eben nur bis zum Ausscheiden von Liebers und später von Rossner und Fritz Berger, dann riss die Kette der Verfolger und nur Fischer und Dross balgten sich um den Ehrenplatz. Am Ende hatte Fischer die Nase vorn, aber Sebastian Dross war glücklich über Platz drei, denn er hatte ja lange pausieren müssen, weil sein Studium Vorrang hatte. Auch an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zum Bachelor. Natürlich balgten sich die zwölf Maluch-Fiat, so wie die Großen und hoch interessant war auch der Kampf zwischen Peter Gröning (Trabant) und Marciel Szkudlarek (Seicento). Denn trotz der Sprachbarriere, waren beide der Meinung, dass so etwas bitte des Öfteren ausgetragen werden könnte. Die polnischen Fahrer waren von der HAIGO begeistert und haben versprochen, im nächsten Jahr wieder zu kommen.

Im Qualifying der Formel, überraschte Klaus Tanzmann den in der Meisterschaft führenden Thomas Hoffmann, der mit einem Punkt vor Wilms in Führung lag und stellte seinen Estonia 25 auf die Pole. Innerhalb von nur drei Sekunden folgten Wilms, Hoffmann jun, Schwarze, Opitz, Thalmann, Siegert, Weber, Kuul, Koitsch. Dann folgten schon Worm, Jakob und Jens Maik mit ihren Formel Easter und dahinter Vogel, Wolters, Keilig und Dr.Braun.

Alle waren gespannt, ob es eine Ablösung von „Dauerbrenner Wilms“ geben wird, aber schon in der ersten Runde erwischte es Tanzmann mit Motorschaden und nur Hoffmann jun. konnte Wilms noch folgen. Als er erkannte, dass nur der Punkte erhält, der die Zielflagge sieht, ließ er sich aus dem Windschatten herausfallen, schonte seine Technik und wurde sicherer Zweiter vor Schwarze. Danach war der Rest des Feldes völlig auseinander gezogen und nur Kuul musste noch Thalmann niederringen, um sich Platz vier zu sichern. Der Aufwärtstrend, der sich in Poznan abgezeichnet hatte, war in Most nur noch Geschichte. Ich spreche hier von den technischen Ausfällen, die in Most wieder erschreckend waren und in Zukunft unbedingt abgestellt werden müssen. Leider stoße ich dabei in der Fahrerschaft auf taube Ohren, aber der Kreis der Befürworter wird größer und damit steigen meine Möglichkeiten etwas zu verändern.

Am Sonntag, man kann schon von Sonntag-Abend sprechen, waren die HAIGOs zum zweiten Turn dran. Der Wetterbericht hatte sich glücklicher Weise nicht bewahrheitet und in beiden Rennen waren die Slicks gefragt. Bei den Tourenwagen ließ sich abermals Dieter Hoffmann nicht überraschen und siegte mit 54 Sekunden Vorsprung vor Rocco Berger und Dross. Dahinter folgten im Respektabstand Kiwatt, Fritz Berger, Szkudlarek, Pchayek, Gröning und Thomas. Dann folgte mit einer Runde Rückstand die Kampfgruppe der „Wadenbeißer“, die sich keinen Meter schenkten und richtig gut anzusehen waren. Auf alle Fälle hatten sie einen Sieger, der gerade mal 16 Jahre alt war, Aleksander Wojciechowski heißt, aus einer alten polnischen Rennfahrerfamilie stammt und ganz locker beide Rennen gewann. Sein Großvater war schon früher in Schleiz am Start und überlegt ernsthaft im nächsten Jahr, mit einem Promot III in der HAIGO zu starten.

Im zweiten Rennen der Formel, hatte Pechvogel Tanzmann schlechte Karten, denn er musste vom letzten Startplatz aus das Rennen aufnehmen. Was er aber daraus machte, dass war sehenswert. Er kam, wie das berühmte Messer durch die Butter durch das Feld geeilt und erreichte doch tatsächlich kurz vor Schluss den führenden Wilms. Nun ist das ja mit dem Überholen immer schon eine schwierige Sache, nicht nur in der Formel 1 gibt es da Probleme. Wilms blieb ganz cool und Tanzmann suchte die berühmte „Lücke“ zum reinstechen. Zwei Runden versuchte er es, dann beging er einen kleinen Fahrfehler und konnte diese entstandenen Meter bis ins Ziel nicht mehr schließen. Nur Hoffmann jun. konnte auf der langen Start-und Zielgeraden, etwas „Sichtkontakt“ halten, aber mit der Entscheidung hatte er am Ende nichts mehr zu tun. Ihm folgten Schwarze, Kuul, Thalmann und Keilig und dahinter kamen schon die Easter Worm, Jakob und Wollenberg. Wieder waren fünf Wagen mit technischen Defekt liegen geblieben und damit kann man keine Werbung für die HAIGO machen. Wenn auch der 12-fache tschechische Staatsmeister Vaclav Lim begeistert war, aber ich bin der Meinung, dass wir das besser können.

Mit gemischten Gefühlen sehe ich dem Lausitzring entgegen, wenn wir diese Hürde nehmen, dann haben wir 2012 schon fast geschafft. Was danach passiert, dass entscheidet die Fahrerschaft und ich hoffe sehr, dass es zu einer vernünftigen Lösung kommt, denn Weltmeister werden wir ganz sicher nicht mehr.

Stromhardt Kraft und Anett