Gegensätze ziehen sich an

Die Rennfahrer der HAIGO, konnten sich über dieses Thema in Poznan absolut nicht einig werden. Denn das, was unsere Truppe in Oscherleben 2012 einstecken musste, das gibt es ganz sicher nur auf dem Nürburgring oder eben auch mal 1977 in Schleiz. Da konnten die Fahrer am Sonntag – Morgen einen Schneemann im Fahrerlager aufstellen.

Das ganze Gegenteil passierte nun in Poznan, denn einfach nur zu sagen, dass wir dort geschwitzt hätten, wäre die pure Lüge. Alles versuchte im Fahrerlager irgendwie ein Stückchen Schatten zu ergattern, aber das reichte natürlich nicht für alle. Am schlimmsten traf es die, die nach dem Training oder Rennen, etwas am Motor oder Getriebe zu tun hatten. Die Dinger wollten auch nach Stunden der Wartezeit, nichts an Temperatur hergeben.

Da wir ja nun zum dritten Mal in Poznan am Start waren, haben sich die Verhältnisse in der Zusammenarbeit mit der Rennleitung, wesentlich verbessert. Zum Glück bin ich der englischen Sprache halbwegs mächtig und so konnte ich noch am Freitag – Abend ein freies Training für unsere Formel ergattern. Das hatte besonders für unser „Küken“ Michael Wolters Bedeutung, denn er startete zum ersten Mal auf dieser Strecke und konnte so einige wichtige Dinge, im Schnellkurs lernen. Teamchef Brinkmann war danach sichtlich ruhiger, denn Micha machte bis auf einen Besuch im Kiesbett, eine sehr gute Figur.

Wenn unsere Tourenwagen mit angereist wären, hätte ich ein Problem mehr gehabt, denn die Startzeit für dieses „free practice“ fand doch abends 19:45 Uhr statt. Ehe es dann alles los ging, war es schon bald 20:00 Uhr und als der Letzte dann wieder im Fahrerlager ankam, zeigte die Uhr tatsächlich 20:30 Uhr!!!

In Deutschland schier undenkbar, aber wie lange Rennleiter Bielinski das noch durchhalten wird, erscheint mir sehr fraglich. Auf jeden Fall, waren wir lauter, als die ab und zu startenden Linienflieger, die sich nur wenige Meter neben dem Fahrerlager in die Luft erheben und relativ schnell verschwunden sind. Auf alle Fälle hätte ich mir die Frage auf ein zusätzliches Training der Tourenwagen, verkneifen müssen.

Lockere Atmosphäre im Fahrerlager, alles war gut gegangen und nur Marko Wollenberg und sein MT 77 fehlten. Dass wunderte mich sehr, denn er war es, der mir bei der Suche nach der richtigen Fahrtroute und dem angekündigten „ViaToll“ – Theater, maßgeblich geholfen hatte. Da kam schon der Gedanke auf, dass ausgerechnet er den Weg ins Fahrerlager nicht finden konnte. Aber die Aufregung war umsonst, ich muss mich nur erst noch daran gewöhnen, dass es nun noch einen besseren „Verspäter“ als Nils-Holger Wilms, bei uns gibt. Das Qualifying für das erste Rennen am Sonnabend, begann mit Verspätung, brachte aber keine Überraschung mit sich, da alles das eintrat, was ich erwartet hatte.

Auf Pole natürlich Wilms, aber schon ganz knapp dahinter Schwarze mit dem MTX und das mit nur einer Differenz von 0,136 Sekunden. Dahinter Thalmann, Hoffmann und nur knapp dahinter folgten schon Vogel und Koitsch. Wenn Hans-Jürgen Vogel noch ein wenig mehr Disziplin beim Schalten zeigt, wird er nicht mehr lange brauchen und er steht eines Tages mit auf dem „Treppchen“. Angeklopft hat er schon, aber die Luft dort vorn ist dünn und das weiß er auch.

Irgendeiner, der nicht versteht was HAIGO heißt und was ich mache, warf mir vor, dass ich wie der „Kaiser“ durchs Fahrerlager gehen würde. Solche Dinge lassen mich seit einiger Zeit relativ kalt, denn dass was die HAIGO an internationaler Besetzung in Poznan zu bieten hatte, war einfach nur Klasse. Nicht nur die „Langstrecken – Fahrer“ Jaak Kuul und Maris Oszolins hatten die 24 bzw. 30 Stunden Fahrzeit auf sich genommen, auch die polnischen Freunde Gutmacher und Fontanskij hatten knapp 800 Km bewältigt, nur um erstmalig dabei zu sein. Auch die anderen Sportfreunde aus Polen, wie Tomasz Szewcyk, Leszek Gasiorowski, Lech und Andrzej Wojciechowski und Patryk Micuciuk kamen nach Poznan, um mit uns gemeinsam Motorsport zu betreiben.

Da bildet sich eine Truppe heraus, die durchaus in der Lage sein wird, dass der Motorsport der ehemaligen Ostblockstaaten nicht von der Bildfläche verschwindet.
Allerdings verwundert mich eine Tatsache sehr, dass ist das Verhalten der Tschechen. Die Neuigkeit, dass es ab diesen Jahr keine tschechische Bergmeisterschaft mehr gibt, lässt Raum für alle möglichen Spekulationen. Zwei hochrangige Funktionäre, die die CEZ – FIA – Trophäe begleiten, konnten meine Fragen nur mit Kopfschütteln beantworten und ließen durchblicken, dass man das ganze Problem in Prag nicht erkennt. Wie hatte Gorbi damals in Berlin gesagt: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Hoffen wir, dass man in Prag aufwacht und die Regeln für den historischen Motorsport in der Tschechei, an das ISG und den Anhang K der FIA angleicht.

Dann, Samstag – 17:00 Uhr war es soweit, das Feld kam aus der Einführungsrunde, jeder rollte in seine Startposition und ohne lange zu fackeln, schickte der Starter das internationale Feld auf die Reise. Wohl ist mir dabei immer nicht, aber alles ging gut Zum ersten Mal in diesem Jahr, war auch die Klasse „Easter“ mit fünf Autos am Start und so konnte wieder eine „Doppel – Siegerehrung“ stattfinden.

Der „Polmann“ Wilms war hervorragend gestartet, aber Schwarze, Thalmann, Hoffmann und der aufkommende Kuul, kämpften um jeden Meter. Trotzdem Schwarze die schnellste Runde des Rennens fuhr, konnte er Wilms nicht vom Platz an der Sonne verdrängen. Nach zwölf Runden huschten die ersten fünf über die Linie, nur Keilig, Wolters und Szewczyk, hatten den Anschluss ein wenig verloren. Jacob hatte bei der Easter eigentlich leichtes Spiel, denn der Meister aus dem Vorjahr Tobias Worm, hatte das ganze Wochenende Probleme mit der Motoreinstellung. So reichte es nur zu Platz zwei und der glückliche Leszek Gasierowski wurde Dritter.

Der Sonntag begann eigentlich schon recht früh. Denn gegen 5:00 Uhr ging über Poznan ein Unwetter nieder, dass nicht viel Gutes erahnen ließ. Das Qualifying für Rennen zwei, war doch tatsächlich auf 8:25 Uhr angesetzt und ich musste eine Entscheidung treffen. Die Sicherheit steht immer an erster Stelle und es regnete unaufhörlich. Unsere „Foto-Tante“ Silva, opferte ein Stück ihrer Morgentoilette und fuhr mich mit ihrem geliebten Seat durch Sturm und Wind, in die Rennleitung. Was soll ich sagen, in Poznan gehen die Uhren eben ein wenig anders. Es war 7:50 Uhr, eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn und die Rennleitung war geschlossen. Kein Mensch weit und breit zu sehen, die Nerven lagen blank. Erste Reaktion, wir lassen das Qualifying aus und stellen das Feld nach dem Einlauf aus Rennen 1 auf. Ich wollte schon wieder mit Silva zurück fahren, da tauchte das „Safetycar“auf. Ich erklärte dem Fahrer Bogdan die Situation und das ich nicht gewillt sei, die Formel bei dem Wasser auf die Strecke zu lassen. Er reagierte sofort, bat mich auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen und knallte dann mit mir über die Strecke, dass mir hören und sehen verging. Nur gut, dass ich mich richtig angeschnallt hatte, denn eine Besichtigungsrunde war das nicht nur. Außer hinter Kurve neun, da lief ein kleiner Bach über die Stecke und wer den Sachsenring kennt, der weiß, dass das dort an der Hecke in der Stadt, genau so war. Aber alle anderen Streckenteile hatten das Unwetter hervorragen überstanden und dem Qualifying zu Rennen zwei, stand nichts im Wege. Als ich den Rennleiter höflich über die Öffnungszeiten des Rennbüros befragte, erntete ich ein versöhnliches Lächeln und bekam einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem seine private Telefonnummer stand.
Kommentar: Ruf mich bitte einfach an und wir klären das, o. K.!!!
Damit war ja alles geklärt und der Renntag konnte kommen.

Das der M 90 von Wilms, auch mit dem besten Setup, im Regen nicht gewillt ist gerade aus zu laufen, dass wissen seine Mitstreiter schon lange. An dem Tag gelang es aber nur Hoffmann, daraus einen Nutzen zu ziehen. Denn er hatte gleich mal gut vier Sekunden Vorsprung auf den Zweiten herausgefahren. Der allerdings hieß Wilms und dem reichte der zweite Platz, denn der ist ja bekanntlich auch in der ersten Reihe. Dann gab es da noch ein paar „Glückliche“, die das Qualifying schon recht zeitig begonnen hatten und davon profitieren konnten, dass nach dem Dreher von Wolters, eine lange Gelbphase folgte, die eine Zeitverbesserung unmöglich machte. So rutschten Kuul, Keilig, Schwarze und Koitsch nach hinten. Jakob war da wohl mit seinem Easter bestens davon gekommen, denn er stand plötzlich mitten unter der „Mondial-Meute“. Thalmann und Szewczik hatte es sogar bis auf die Plätze 10 und 11 zurück geworfen und dementsprechend war auch ihr Gesichtsausdruck.

Die Startzeit am Sonntag, wurde um eine Stunde nach hinten auf 17:00 Uhr verschoben, weil die beste Zeit (14:00 Uhr) für den polnischen KIA-LOTOS-CUP reserviert war.
Als der Start zum zweiten Rennen endlich freigegeben wurde und alle auf Slicks starten konnten, machte Wilms kurzen Prozess und führte von der ersten bis zur letzten Runde das Feld an.

Besonders Thalmann hatte einen guten Lauf und passierte Start und Ziel schon in der ersten Runde als Fünfter. Die Wege nach ganz vorn, werden dann aber immer schwieriger und so konnten sich Thalmann und Schwarze in Runde drei irgendwie nicht über die „Vorfahrt“ einigen, hatten Kontakt, Thalmann schied aus und Schwarze konnte wenigstens noch Platz vier ins Ziel retten. Das sind Rennunfälle und die Fahrer wissen das auch ganz genau und so sollte es auch bleiben. Schön wäre es aber gewesen, wenn beide aufeinander zugegangen wären und hätten sich die Hand gegeben. Außenstehende haben dabei überhaupt nichts zu suchen und auf deren Meinung kann ich ohne Probleme verzichten. Einen besonderen Anlass gab es nämlich auch noch dazu, denn „Jacky“ Thalmann hatte an dem Tag Geburtstag. Hoffmann und Kuul waren die Glücklichen, denn sie hatten sich aus allem raus gehalten und belegten am Ende die Plätze zwei und drei. Bei der Easter machte Worm jun. die „Schande“ vom Vortag wieder gut und kam vor Jakob über die Linie. Leszek Gasierowski wurde wieder Dritter und Patriyk Micuciuk und Wollenberg wurden durch Defekte eingebremst.

Schon ist Poznan vorbei und schauen wir nach vorn, Most wartet schon vom 03. – 05.08.2012 auf uns.

Stromhardt Kraft und Anett