Die HAIGO auf der Motor Show in Essen

Als mich die Einladung zur Messe in Essen erreichte, da ahnte ich noch nicht, was es bedeutet, wenn man einen Messestand, über einen Zeitraum von zehn Tagen, betreuen muss.
Wenn man dann noch die An-und Abreise mit einrechnet, dann werden daraus ganz schnell vierzehn Tage, die ganz schön an die Substanz gehen.

Um das Ausmaß der ganzen Aktion „Motor Show Essen“ zu beschreiben, fange ich am besten am Anfang an und der begann eigentlich schon am 6.11.2010 zu unserer Meistehrung.
Der Grundstein der Teilnahme wurde auf der Meisterfeier gelegt, weil dort der Ehrengast Steffen Nickoleit, sich spontan bereit erklärte, der HAIGO erneut (wie schon am Sachsenring) einen 7,5 to. LKW zur Verfügung zu stellen, so dass es möglich war, mit einer An-und Abfahrt zwei Rennwagen auf einmal zu transportieren. Der Einfachheit halber entschied ich mich für den bei mir abgestellten MT 77 von Marko Wollenberg und die „Rennpappe“ von Ulli Hänig, der ja bei mir um die Ecke wohnt. Das trotz der abgenommen „Nase“ des MT und alles bis auf den letzten Millimeter zusammen geschobenen Ladung, am Ende nur fünf Zentimeter Platz an der Ladebordwand bleiben, das war reines Glück. Wenn die Platzverhältnisse auf der überlangen Pritsche des MAN, nicht so glücklich ausgefallen wären, dann hätte ich die Teilnahme an der Messe absagen müssen. Das wäre natürlich fatal gewesen, denn der Platz wurde uns von ADAC Pro Car kostenlos zur Verfügung gestellt und das so eine Ausstellungsfläche von 6 x 13 Meter einen fünfstelligen Betrag kostet, dass kann sich ja jeder denken.
Am Mittwoch, den 24.11.2010 hatten wir, dass heißt mein Ex-Schrauber Rüdiger und ich, alles geladen und man glaubt es kaum, was so alles mit auf die Reise muss. Der lange MAN hat natürlich vorn im Führerhaus weniger Platz als ein PKW und so mussten alle Dinge, wie die von Peter Benz „gesponserte“ Kaffeemaschine, die Stühle, die Fahnen, das HAIGO-Transparent und unsere Reisetaschen, alles das musste sicher auf der Ladefläche befestigt werden. Platz war dafür natürlich keiner da und so musste alles an den Latten, die zur Befestigung der LKW-Plane da sind, mit Gummifedern angebunden werden. Allein die abmontierte „Nase“ des MT wollte keinen sicheren Platz finden und so vergeht Stunde um Stunde, ohne das viel zu sehen ist.

Am nächsten Morgen 5:00 Uhr dann die Abfahrt nach Essen, die Straßenverhältnisse waren da ja noch gut, denn der Winter hatte seine Tücken noch nicht gestartet. Punkt 12:00 Uhr standen wir in Essen vor dem LKW- Meldepunkt der Messe und ich meldete die HAIGO und den LKW zur Einfahrt an. Aber schon nahte die nächste Überraschung, denn ich erhielt die Nummer 183 und die Mitteilung, dass eine Wartezeit von mindestens vier Stunden zu erwarten wäre. Alle LKW mussten in eine riesengroße Halle gefahren werden und die Motoren mussten abgestellt sein. Das heißt ganz einfach, Heizung ade.

Alle Fahrer mussten die Wartezeit auf der Straße verbringen und alle Stunden erschien ein kleiner alter Mann, der die Einfahrt der nächsten Nummern, mit kläglicher Stimme verkündete. Das dieses System so sein muss, das haben wir dann nach gut vier Stunden Wartezeit verstanden. Als unsere Nummer aufgerufen wurde, erhielt ich die Einfahrt in das Tor Nummer 4 und ich musste 50,00 EUR Kaution zahlen. Der Posten am Tor trug meine Einfahrtszeit ein und setzte eine Stunde handschriftlich dazu ein. Dann sagte er mir, dass ich die 50,00 EUR nicht zurück bekomme, wenn ich diese Ausfahrzeit überschreite. Zu dieser Zeit wussten wir natürlich nicht, was uns noch erwarten sollte. Der uns zugewiesen Platz auf den Freigelände zwei, war natürlich groß, aber die dort geparkten LKW waren viel größer und so kämpfte ich mich Zentimeter um Zentimeter genau an den dort parkenden Fahrzeugen vorbei um einen geeigneten Platz zum abladen zu finden. Inzwischen war es dunkel geworden und Rüdiger ging zu Fuß auf die Suche, nach der berühmten „Lücke“ in die wir irgendwie passen würden. Endlich hatten wir sie gefunden und als ich mich rückwärts zwischen zwei Sattelauflieger rein drängeln wollte, krachte es und mein rechter Spiegel war dahin. Verdammte Sch….., auch das noch, aber es blieb keine Zeit zum überlegen, der andere „Kutscher“ feixte und meinte, dass so etwas einfach jeden Mal trifft. Die Stunde war nun mal vorgegeben, die Autos und unsere Utensilien mussten so schnell wie möglich abgeladen werden und dann erst bekamen wir die Einfahrt auf den LKW-Parkplatz mit der Bezeichnung P2!

Unser Nachbar, an dessen Brummi ich mir den Spiegel abgefahren hatte, stellte sich glücklicher Weise als Kumpel vor und er war schon ein erfahrener Messe-Profi. Mit seiner Hilfe schafften wir das Einhalten der kritischen Stunde und meine 50,00 EUR waren gerettet. Rüdiger und die Autos rein in Halle 6 und ich auf den LKW-Parkplatz P2, der natürlich zwei Kilometer von der Messe entfernt war. Inzwischen hatte starker Schneefall begonnen und ich „stocherte“ in Halbschuhen vom Parkplatz zurück zur Messe. Endlich, 20:30 Uhr stand alles an Ort und Stelle und die Abnahme am Freitag-früh konnte kommen.

Im Vorfeld hatte ich an die einhundert Anbieter von Pensionen in Essen abgeklappert und nur eine Pension bot die Übernachtung mit Frühstück an. Es war die Pension „Töffte“ und ihre Besitzerin klang auch am Telefon recht angenehm. Allerdings war „Töffte“ am anderen Ende der Stadt Essen und wir hätten jeden Tag gut 40 Km mit dem Taxi fahren müssen. Die Vermieterin hatte ein gutes Herz und so überredete sie ihren Schwager Walter, dass er uns „Ossis“ jeden Morgen und jeden Abend, für ein kleines Geld hin und her fahren würde.
So war es dann auch und unser „Gruga-Express“ war jeden Tag pünktlich zur Stelle. Frau Heike, die Besitzerin der Pension, war eigentlich eine waschechte Leipzigerin und so hatten wir das Glück, dass alle Probleme mit ihr besprochen werden konnten und wir uns hervorragend aufgehoben fühlten.

Der Messe-Alltag hatte uns bald eingeholt und so begann unsere „Arbeitszeit“ jeden Tag 9:00 Uhr und endete jeden Tag 18:00 Uhr, egal ob Montag, Samstag oder Sonntag.
Die Möglichkeit, Beziehungen zu pflegen und Gespräche zu führen, dass ist glaube ich jedenfalls, auch ein Hauptanliegen solcher Messen. So konnten persönliche Gespräche mit den Verantwortlichen des ADAC, des DMSB, mit Herrn Wichers, mit Herrn Sandtler und noch einigen Vertretern von anderen Firmen, die alle ein offenes Ohr für unsere HAIGO hatten, geführt werden. Nach acht Tagen ist dann allerdings alles gesagt und getan, alle sind irgendwie Messe müde und wollen dann nur noch nach Hause. Genauso erging es auch uns und als dann der schriftliche Bescheid kam, dass die Anträge auf Abbau und die Einfahrt der LKW gestellt werden kann, waren wir schon froh, dass es nun endlich zu Ende geht.

Nicht versäumen möchte ich, dass zehn Aktive der HAIGO den Weg nach Essen auf sich genommen hatten, um uns zu besuchen. Dafür herzlichen Dank, es hat gut getan, dass man weiß, dass ihr hinter der HAIGO steht.

Die Anreise und der Aufbau waren schon Stress pur, aber der Abbau und das Verladen der Fahrzeuge, das war wie Stalingrad. Obwohl ich die Nummer 28 bei der Einfahrt ergattert hatte, nützte es mir nur wenig. Als ich endlich wieder den Parkplatz P2 zu Fuß erreicht hatte und aussah wie ein Schneemann, weil zur Messezeit in Essen absolut kein Taxi zu bekommen ist, musste ich in der Reihe der LKW noch bis 20:30 auf meine Einfahrt warten. Wir mussten beim ausräumen durch die Hallen 7 und 8, um auf unseren Parkplatz zu kommen. Als wir uns durch das unglaubliche Chaos in den Hallen, mit dem MT und Ulli`s Trabi durchgekämpft hatten, war unser LKW zugeparkt. Erst als wir hörten, dass die Hallentore 22:00 Uhr geschlossen werden, verstanden wir eigentlich erst, um was es hier eigentlich ging. Alles stand dicht bei dicht, 10 cm Schneepampe, grässlicher kalter Wind, die Finger wollten nicht mehr funktionieren und die 50,00 EUR Kaution gaben den Leuten den Rest. Als wir endlich die beiden „Renner“ geladen hatten, machte ich mich auf den Weg, um unseren Handwagen mit den Utensilien nach draußen zu bringen. Da hatte ich aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, hinter mir schlossen sich die riesigen Tore und ich suchte mir einen Security – Mann, um ihn zu bitten, mich doch noch raus zu lassen. Keine Change sagte er mir, wenn ich ihnen ein Tor öffne, dann geht in der Halle der Feueralarm an und sie müssen den Einsatz der Feuerwehr bezahlen. Danke, dass hätte gerade noch gefehlt und ich musste meinen so schon beladenen Wagen abladen, alle Teile einzeln durch die Schlupftür nach draußen tragen und dann alles bei dem Sauwetter wieder aufladen, um dann in der Pampe durch die LKWs zu Rüdiger zurück zu kommen.

Am Ende hatten wir es geschafft, alles war an Ort und Stelle, nur die Abfahrtszeit war überschritten. Als wir ans Tor kamen und schon die 50,00 EUR Kaution abgehakt hatten, stand dort eine gute Seele, gab uns die 50,00 EUR zurück und wünschte uns sogar eine gute Fahrt. Es war auch kein Wunder, denn die Uhr zeigte schon 23:30 Uhr und wir waren immer noch nicht die Letzten.

Wir fuhren wieder auf P2 und unser guter Walter holte uns dort ab. Mensch hatten wir an dem Tag die Schnauze voll, aber im Haus „Töffte“ erwarteten uns ein heißes Bad und ein deftiges Abendbrot. Dafür ein großes Dankeschön nach Essen-Katernfeld, ohne Euch wäre es eine schlimme Sache geworden und vielleicht kommen wir nächstes Jahr wieder.

Stromhardt Kraft