Ausnahmen bestätigen die Regel

Eine bessere Überschrift könnte ich für den zweiten Wertungslauf einfach nicht finden. Denn die Überraschungen begannen schon im freien Training, als Hartmut Heidicke bei den Formelleuten die schnellste Zeit für sich verbuchen konnte. Ich möchte aber nicht weiter auf das freie Training eingehen, denn es hat ja am Ende keinerlei Einfluss auf die Startaufstellung.

Also beginne ich diesen Rennbericht besser mit den Ergebnissen vom Qualifying, dass ja für unsere Tourenwagen zu einer schier unchristlichen Zeit, nämlich Samstag – früh Punkt 8:00 Uhr begann.

Strecke kalt, kein Gummi drauf – Mischwetter. Slicks oder doch „Winterreifen“ ? Das alles macht einen als „Chauffeur“ regelrecht kaputt. Bis zur letzten Minute wird hin und her überlegt, um dann an Ende vielleicht doch noch die falsche Endscheidung zu treffen. Aber die Bedingungen sind für alle gleich und das ist das „Schöne“ daran.

Danach stand die Startaufstellung für Rennen eins fest und dann waren die Überraschungen gar nicht mehr so groß. Rocco Berger vor Dieter Hoffmann, dann Maik Thomas vor Michael Krings und Michael Weißenborn vor Peter Gröning. So präsentierten sich die ersten drei Reihen und man konnte auf Grund der Zeiten schon davon ausgehen, dass es wieder ein gutes HAIGO – Tourenwagenrennen geben wird.

Am Nachmittag – 17:05 Uhr war es dann soweit. Der Pulk rückte ab in die Informationsrunde und nur Holger Kiwatt bekam seinen 2101 nicht in Gang. Rennleiter Seidel ließ Gnade vor Recht ergehen und der Holger konnte seine Position im Feld wieder einnehmen. Wenn nicht, hätte er aus der Boxengasse dem Feld hinterher hetzen müssen. Aber so ging alles noch mal gut und ich musste mir eigentlich ein Rennen ansehen, dass bis auf denn Positionskampf Berger/Hoffmann am Anfang des Rennens, eher langweilig war. Alle hatten ihre Position bezogen und sicherten ihren Platz nach hinten strategisch ab. Dieter Hoffmann, der am Sachsenring einmal den Formel seines Sohnes Thomas ausprobierte, machte sich dann langsam aber sicher aus dem „Staub“ und kontrollierte Rocco Berger aus dem Rückspiegel. Sebastian Dross war der „Einzige“ der sich von ganz dort hinten auf den Weg nach vorn gemacht hatte, blieb aber dann am klug agierenden Michael Weißenborn hängen. Immerhin schaffte es Dieter Hoffmann in den gut zwanzig Minuten reiner Fahrzeit, tatsächlich zwölf Runden zurück zu legen. Dann konnte ich Dieter Hoffmann, Rocco Berger und Michael Weißenborn zur Siegerehrung rufen und nicht bei allen war die Freude groß. Denn bei Michael Krings, Maik Thomas und Dirk Förster war das Rennen schon bei Halbzeit beendet.

Die Formelleute hatten ihr Qualifying 14:30 Uhr beendet und auch dort war eigentlich alles normal, denn Nils-Holger Wilms stand wieder mal auf Pole und das ist ja für uns alle nichts Neues. Daneben stand aber Jörg Koitsch und der hatte tatsächlich nur 0,3 Sek. Rückstand. Dann Tobias Worm und Falk Schwarze, die nur noch der Hauch von drei Tausendstel trennte. Auch die Folgenden, Bernd Weber und Jaak Kuul, waren nur 1,3 Sek. hinter Wilms. Also alles deutete auf ein feines und spannendes Rennen hin. Wie das eben im Leben und in der Wirklichkeit immer so ist, kam alles ganz anders. Jens Maik, unsere „Nase“ machte durch einen großzügig gewählten Bremspunkt in der ersten Runde und dem folgenden Kontakt mit Henrik Opitz, für Jacky Thalmann die Straße zu und für Opitz und Thalmann war das Rennen schon nach wenigen Kurven beendet. Von der Rennleitung wird so etwas als Rennunfall gewertet und bleibt für den Verursacher ohne Folgen. Ich muss das so klar sagen, weil die beiden Autos von Opitz und Thalmann, eigentlich für das zweite Rennen nicht mehr zu gebrauchen waren. Jens Maik hingegen konnte sich auf Platz drei, in die Siegerliste des Lausitzring eintragen lassen. Also Opitz und Thalmann schon am Beginn raus und Nils-Holger Wilms, hatte schon nach wenigen Runden an der Spitze, nur noch einen Gang im Getriebe gefunden. So war das Feld eigentlich schon von allem Anfang an, irgendwie auseinander gezogen und es sah so aus wie bei unseren Tourenwagen. Das aber soll die Leistung von Jörg Koitsch keinesfalls herab würdigen. Der Döbelner gewann souverän, das wohl von allen so sehr gewünschte einhundertste Rennen der HAIGO, seit Bestehen der Serie – Glückwunsch. Falk Schwarze kämpfte dahinter wie ein Löwe, aber Jörg Koitsch war an dem Tag einfach der Bessere. Über den dritten Platz von Jens Maik habe ich schon berichtet und zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass er über den Ausgang des Rennens nicht glücklich war.
Silvio Keilig gewann die Formel Easter wie immer, allerdings hat sich ein junger Mann aus Leipzig auf den Weg gemacht, Tobias Winter geht jetzt in die zweite Saison und tut alles um an der Vormachtstellung des Silvio Keilig zu rütteln. Das dabei die Verbindung zu Worm-Motorsport eine Rolle spielt, liegt sicher daran, dass beide Fahrer einen MT 77 bewegen. Das der erfahrene Lutz Stallbaum, das „Greenhorn“ Tassilo Henniger noch in Schach hält ist ja schön für Lutz, aber ob ihm das noch lange gelingen wird? Am Ende des ersten Renntages gab es dann noch ein paar wirklich unschöne Diskussionen mit dem TK-Obmann und den Sportkommissaren. Das Auto von Kay-Patrick Braun hatte eine Ölspur durch das Fahrerlager, die Boxengasse und bis auf die Strecke gelegt. Das diese Vorkommnisse der HAIGO großen Schaden zufügen und damit die Teilnahme unserer Autos generell an solchen Veranstaltungen in Frage gestellt wird, ist wohl allzu einleuchtend. Darüber müssen wir in der nächsten Fahrerbesprechung unbedingt reden, denn man kann durch solche Vorfälle, die HAIGO ganz schnell aus dem Rennen nehmen.

Sonntag – 17:05 Uhr, Start zum zweiten Rennen der Formel und ganz vorn an der „Sonne“ steht Jörg Koitsch. Sicher ein vollkommen neues Gefühl für den Döbelner, aber er hat es ganz klever abgewickelt. Dann ein klarer Start – Ziel – Sieg, egal wie auch immer, es konnte von keinem der Konkurrenten verhindert werden. Falk Schwarze folgte ihm auf Schritt und Tritt, aber der Abstand blieb bis zum karierten Tuch relativ gleich. Eventuell hätte Tobias Worm dort vorn noch ein Wort mitreden können, denn der kleine Leipziger hatte einen super Start erwischt, wurde aber dann ein Opfer der Überrundungen. So balgten sich mit stumpfen Waffen – Jens Maik, Jaak Kuul und Bernd Weber um Platz drei. Das am Ende Bernd Weber mit auf das Treppchen durfte, war der Lohn für das Geburtstagskind allemal, denn er hatte für die „Truppe“ eine wirklich gute „Geburtstags – Party“ organisiert. Denn so soll es auch in Zukunft bleiben, wir wollen gemeinsam lachen und gemeinsam weinen. Eben genau so, wie in einer richtigen Familie.

Bei den Eastern natürlich nicht Neues, den Silvio Keilig gewann ganz klar die kleine Klasse – Glückwunsch. Dahinter wieder Tobias Winter und Lutz Stallbaum. Ich hoffe ja sehr, dass die Entwicklung der Formel Easter anhält und nächstes Jahr die angepeilten zehn Teilnehmer doch noch zustande kommen. Dann hätten wir zwei tolle Formelklassen.

Dann, 17:50 Uhr der letzte Lauf des Tages, er gehörte den Tourenwagen und tatsächlich waren auf der riesigen Haupttribüne einige Zuschauer da geblieben. Bei den Größenverhältnissen auf dem Lausitzring ist das Schätzen nur Glückssache und deshalb möchte ich auch keine Prognose abgeben, aber sie waren da und sie feierten mit mir die Sieger, dass war einfach nur prima.

Man glaubt es nicht, aber der „kleene Dicke“ aus Leipzig, der machte sie alle nass. Am Vortag noch Dritter, dann zog dieser Michael Weißenborn auf und davon und keiner konnte ihm folgen. Erst sah es so aus, als würde es wieder so ein „Langweiler“ wie am Samstag, aber dann blies Sebastian Dross zum Kampf und schloss zu Rocco Berger auf. Dann machten die beiden „Preußen“ das Rennen noch einmal richtig spannend und am Zielstrich trennten sie 1,9 Hundertstel, was gerade mal so viel wie ein Wimpernschlag ist.

Das „Einhundertste“ ist vorbei, zehn Jahre HAIGO auch, danke für die Glückwünsche und macht weiter so, denn was zehn Jahre gehalten hat, dass kann ja so schlecht nicht sein.

Stromhardt Kraft
Im Namen der HAIGO