Abgerechnet wird immer erst am Ende

Natürlich war Most wieder gut, obwohl es ein paar Probleme mit dem Veranstalter gab, der ein neues Ticketsystem eingeführt hatte. Bei den Veranstaltungen im Rahmen der ADAC-GT-Masters sind wir das aber schon gewöhnt, dass es einen Kampf um jeden „Zettel“ gibt. Mir fehlt dazu einfach das Verständnis, weil es eben auch viel einfacher gehen könnte, aber ich werde daran wohl kaum etwas ändern können.

Das Freie- und das Zeittraining verliefen ohne große Höhepunkte, wenn man von dem Kontakt zwischen Micha Hennig und Jaak Kuul mal absieht. Beide beseitigten ihre Schäden ohne großes Theater und ich war froh, dass sie zum ersten Rennen am Start waren. Am Sonnabend genau 11:00 Uhr starteten unsere Tourenwagen zum ersten Rennen und zur Freude aller Skoda-Freunde, standen Maik Thomas und sein „Sorgenkind“ auf Rang drei. Das der Favorit aber immer noch Kinderkrankheiten hat, dass sollte Maik spätestens am Sonntag zu spüren bekommen.

Die Pole hatte natürlich unser „Hoffi“, aber der Lange aus Potsdam (Rocco Berger) hatte da was dagegen und wollte möglichst den Erfolg von Poznan wiederholen. Hoch interessant war auch der „Auftritt“ von Micha Krings, der sich so sehnlichst wünscht, dass er bald mit der Spitze um die Wette driften kann. Sebastian Droß hatte nach dem Debakel von Poznan zur alten Klasse zurück gefunden und machte richtig Dampf. Dahinter waren die Kämpfe um die Plätze nicht weniger interessant, denn die alten Hasen wie Werner Liebers und Fritz Berger und nun auch wieder Frank Lode, schenken sich keinen Zentimeter. Wenn Klaus Pchayek den Pferdchen in seinem Motor noch ein wenig mehr Futter gibt, dann könnte er mit dieser Truppe viel Spaß haben. Dank an Uwe Hahn und Peter Gröning, die beide alles versuchten um ihre Autos wieder flott zu bekommen, aber lasst die Köpfe nicht hängen, es kommen auch wieder bessere Zeiten.

Am Ende kam alles wieder mal ganz anders als erwartet, denn Dieter Hoffmann war der Einzige der seinen Samara konserviert hatte und das „Ding“ nach Hause brachte. Dahinter donnerte aber schon der 2101 von Sebastian Droß über die Linie, allerdings ganz knapp vor Rocco Berger. Dann schon Maik Thomas mit dem Favorit, gefolgt von Werner Liebers und Fritz Berger und auf Sichtweite schon Frank Lode und sein wunderschöner 130 RS. Dann folgten mit Respektabstand Pchayek, Bog und Hahn.

Das unsere Formel nicht nur uns Spaß macht, sondern alle Anerkennung von unseren Gästen, wie Vaclav Lim (12-facher tschechischer Staatsmeister) Wolfgang Krug, Manne Kuhn und Gerhard Hubrich erhält, ist schon bemerkenswert. Alle Spitzenleute hatten schon in Poznan gewaltig am „Kabel“ gezogen, denn Most ist immer schon so ein wenig die Vorschau auf die Meisterschaft.

Die Pole natürlich wieder Nils-Holger Wilms, er kam mit guter Laune nach Most. Aber es ließ auf eine gute Vorbereitung schließen, was bei ihm ja ganz normal ist. Neben ihm stand Thomas Hoffmann und auch der wollte ja seine Chancen auf den Titel wahren. Am Ende war wieder alles ganz anders und das ist eben das Besondere an unserer Formel, denn niemand kann sich im Vorfeld sicher sein, dass seine Träume in Erfüllung gehen.

Nach einem tollen Rennen siegte Falk Schwarze vor Thomas Hoffmann und Jaak Kuul, der seinen Traum vom Titel noch lange nicht begraben hat.
Dahinter immer auf Sichtweite Bernd Weber, Henrik Opitz, Kay-Patrik Braun, H.-Jürgen Vogel und Mario Mühle. Dann schon die ersten Easter mit Silvio Keilig und Micha Hennig, gefolgt von Jörg Koitsch, Heiko Werner, Andrzej Fontanski und Guido Ketzmarick. Mit technischen Gebrechen waren Wilms, Thalmann, Schönfeld, Winter und Tanzmann ausgefallen und sie mussten vom Streckenrand aus zuschauen, wie andere die so wichtigen Punkte für die Meisterschaft einheimsen konnten.

Am Sonntag 12:.06 Uhr wurde die Ampel am Startplatz auf „Start“ geschaltet und unsere Tourenwagen wurden auf die Reise geschickt. Es schien so, als ob sich Poznan wiederholen würde, denn Dieter Hoffmann und Rocco Berger setzten sich sofort an die Spitze und wollten dem Feld davon fahren.

Aber nun haut die berühmte „Defekthexe“ auch bei den Tourenwagen einfach wahllos zu und erwischte gleich am Anfang Rocco Berger. Dieter Hoffmann konnte im Spiegel alles beobachten, dass Tempo drosseln ging nicht, denn Sebastian Droß und sein 2101 wurden immer größer. Dann war es soweit, das Samara-Triebwerk verrauchte am Ende der Start-und Zielgeraden und hier nochmal Dank an Dieter Hoffmann, der sofort neben die Strecke lenkte und damit die Anbremszone nicht verölte. Dann folgte der große Auftritt von Sebastian Droß, der frisch gebackene „Bachelor“ ließ den Lada fliegen und erzielte Rundenzeiten die allen Respekt abfordern. Mit allem was Maik Thomas aus seinem Favorit raus holte, war doch tatsächlich endlich ein Platz auf dem „Treppchen“ in greifbarer Nähe. Ich glaube es war eine Runde vor Schluss, da blieb der tschechische Kampfwagen mit Elektrik-Schaden hinter der Schikane stehen. Aus für Maik und Freude bei meiner Senioren-Truppe, die nicht gehofft hatten, dass sie in Most ganz oben stehen würden.

So konnten Fritz Berger und Werner Liebers, die ja schon in den 80-ziger Jahren in der DDR um die Plätze gekämpft haben, ihrer Freude freien Lauf lassen.
Mit Frank Lode folgte der Sieger in der SLM-Wertung auf Rang vier, gefolgt von Klaus Pchayek und Henry Bog. Ich hoffe immer noch, dass sich die Klasse der Tourenwagen weiter verstärkt und endlich zwei gleich starke historische Klassen ihre Heimat in der HAIGO haben.

Am Sonntag fuhren dann die Formelwagen zu ihrem zweiten Lauf in die Startaufstellung und für die tapferen „Nachtarbeiter“ Wilms, Thalmann und Worm hatte die oben erwähnte Hexe nur ein müdes Lächeln übrig. Ganz gemein behandelte sie Nils-Holger Wilms, denn sie ließ ihn doch tatsächlich glauben, dass sich seine Mühen gelohnt hätten. Der Test verlief gut, die Einführungsrunde auch und seine Hoffnungen auf eine Aufholjagt waren durchaus berechtigt. Der Start war noch gut aber dann rollte der Melkus M 90 schon in der ersten Runde in die Boxengasse – aus. Tobias Worm und Jacky Thalmann stellten ihre Motoren nach einem morgendlichen Check ab und kamen als Zuschauer zu Start-und Ziel. Eine durchaus feine Geste, die etwas mit Anstand zu tun hat, denn die Siegerehrung ist immer noch Bestandteil der Veranstaltung.

Falk Schwarze war nach seinem Erfolg vom Vortag erstaunlich ruhig, aber der Schein kann trügen. Thomas Hoffmann „brannte“ auf das was da am Vortag nicht gelungen war und bei Jaak Kuul kann man sowieso keine Regung erkennen, nur wenn er ganz oben steht, dann kommt mal ein Lächeln zum Vorschein.

Der Sohn von Dieter Hoffmann ließ dann auch gleich die Katze aus dem Sack und versuchte mit allen Tricks und Ösen, einen Vorsprung heraus zu fahren. Aber Falk Schwarze verkaufte sein Fell so teuer wie möglich und versuchte alles, damit der Abstand zu Thomas Hoffmann erträglich blieb. Bernd Weber, der sich nach so langer Durststrecke nun so langsam wieder an die Spitze herantastet, hatte zur Feier des Tages einen neuen Satz Slicks mit nach Most gebracht und der neue Gummi half entscheidend mit, dass sich Falk Schwarze der Angriffe von Bernd Weber gegen Ende des Rennens nicht mehr widersetzen konnte. Dahinter hatte Henrik Opitz alle Hände voll zu tun, dass er Jaak Kuul hinter sich halten konnte, denn wer die Qualitäten des Esten kennt, der weiß dass der immer noch ein Ass im Ärmel hat.

Aber Henrik hat Erfahrung mit den „Chauffeuren“ aus der ehemaligen Sowjetunion und konnte trotz mancher Drifteinlage die Oberhand behalten. Klaus Tanzmann kam gut von hinten durchs Feld, blieb aber dann auf Platz sechs hängen, weil da vorn weit und breit keiner mehr zu sehen war und als dann Kuul ins Blickfeld kam, war das Rennen zu Ende. Hinter Tanzmann folgten H.-Jürgen Vogel, Silvio Keilig, der damit „seine“ Easter gewann und Heiko Werner, Gunter Schönfeld, Andrzej Fontanzki und Guido Ketzmarick.

Im zweiten Rennen war die Ausfallquote erschreckend hoch, denn mit Hennig, Braun, Wilms, Maik, Koitsch und Mühle standen mir zu viele unter den „Zuschauern“ und wir müssen über die Ursachen nachdenken, vor allem in der Fahrerschaft darüber reden. Zum Saisonausklang Ende September wäre so eine Möglichkeit, die uns genügend Zeit lassen würde, versuchen wir es mal. Das Saisonfinale am Lausitzring steht an und ich wünsche den Fahrern der Tourenwagen sowie der Formel eine gute Veranstaltung und unfallfreie Rennen, mögen die Besten gewinnen.

Stromhardt Kraft