Ein trauriges Saisonfinale

Die Überschrift habe ich gewählt, weil es an dem Wochenende unsere Pflicht war, um Klaus Tanzmann zu trauern. Über die Umstände die zum Tod von Klaus führten, habe ich schon an anderer Stelle berichtet und das möchte ich hier im Rennbericht nicht unbedingt wiederholen.

Zum freien Training am Freitag, den 30.08.2013 – 17:20 Uhr gibt es nicht viel an Informationen, die es unbedingt zu berichten gibt und so beginne ich mit dem Qualifying am Samstag – früh 8:00 Uhr. Es ging los mit den Tourenwagen und gleich mit einem Achtungszeichen von Micha Krings. Der lange „Leidensweg“ von Micha und seinem Zastava hat viele Gründe und die sollen hier von mir nicht ausgewertet werden. Aber am Lausitzring schien es nun so, als ob alle Schwierigkeiten der Vergangenheit angehören. Der zweite Platz hinter Sebastian Dross und das mit nur einem Rückstand von gerade mal 0.094 Sekunden, konnte sich schon sehen lassen. Dahinter folgten Steinmann, Rossner, R. Berger, Thomas, Liebers, F. Berger und Lode und dann schon die ersten Gäste aus Polen, die ja mit ihren Cinquento und Seicento mit 1100 cm³ recht ordentlich mithalten konnten. Eine kleine, aber wichtige Sache hätte ich bald unterschlagen. Zum Saisonfinale hatte die HAIGO das größte Starterfeld aller Klassen, die am ADAC-GT-Masters teilnahmen. Dreiundfünfzig (53) Starter, nur gut das es hier am Lausitzring keine Platzprobleme im Fahrerlager gibt, sonst wären wir aus den Nähten geplatzt.

Das Qualifying der Formel wurde am Samstag 08:35 Uhr gestartet und das Falk Schwarze hier die Pole holte, war eigentlich nach seinen letzten „Vorstellungen“ keine allzu große Überraschung. Das unser Gast Jaak Kuul, alle Hebel in Bewegung setzen würde, um seine „Restchance“ auf den Titel zu bewahren, das war allen im Felde klar. Bernd Weber macht zum Ende der Saison noch einmal eine recht gute Figur und das meine ich wirklich nicht zweideutig, denn er konnte Hoffmann und Wilms hinter sich halten. Das „Mittelfeld“ wurde von Jacky Thalmann angeführt, lag aber schon gute vier Sekunden hinter der Spitze und nur Koitsch konnte ihm halbwegs folgen. Dann lauerten da schon die schnellen Easter mit Hennig, Heidicke und Keilig, die das Restfeld der Mondialer sprengten.

Samstag – 17:00 Uhr

Alle Teilnehmer der HAIGO und da meine ich wirklich alle die irgendetwas mit uns zu tun haben, versammelten sich auf dem Startplatz am Lausitzring zu einer feierlichen Gedenkminute für Klaus Tanzmann. Als die Fahrerschaft von mir zum Startplatz geführt wurde, bildeten die Streckenposte ein Spalier und alle hatten ihre Mützen abgenommen. Wie viele Zuschauer auf der Tribüne waren kann ich nicht sagen, aber alle hatten sich von ihren Plätzen erhoben und erwiesen damit Klaus Tanzmann ihre letzte Ehre. Wie schwer mir das alles gefallen ist, dass muss ich hier nicht noch einmal betonen, aber ich glaube das wir alle nicht nur einen Trauerflor trugen, sondern auch im Herzen sehr traurig waren. Das aber das Leben weitergehen muss, dass wissen wir alle und so war dann Racing angesagt und das hätte Klaus Tanzmann auch nicht anders gewollt.

Vom Start kam Bernd Weber als Bester weg, aber bis zur ersten „Links“ war der kleine Vorsprung schon weg und Kuul und Hoffmann schoben ihre Nasen dem Vordermann bald ins Getriebe. So schön der Kampf um die Spitze auch anzusehen war, umso trauriger stimmen mich die Ausfälle, die schon ab der zweiten Runde begannen. Worm, Vogel, Fontanski, Winter Thalmann und Schwarze mussten vorzeitig die Waffen strecken. Obwohl ich hier zur Ehrenrettung der Beteiligten sagen muss, dass die Ursachen alle unterschiedlich waren und nicht nur am Motor lagen.

Bernd Weber führte das Feld lange Zeit an, aber dann konnte sich Kuul irgendwo da draußen vorbei schieben und gewann den ersten Lauf souverän vor Weber und Hoffmann. Dann folgte mit Respektabstand Mühle, der aber schon Hennig mit dem Easter im Spiegel hatte. Mit Keilig und Ketzmarick folgten die Platzierten der kleinen Klasse unmittelbar dahinter, bevor dann Dietrich, Dr. Braun, Werner, Benz und Koitsch die Linie kreuzten.

Unsere Tourenwagen und ihre polnischen Gäste wurden am Samstag gegen 17:40 Uhr zum Start gerufen und es sah schon interessant aus, wenn 27 Autos mit Dach in der Startaufstellung stehen.

Bei Sebastian Dross hatte ich am Start die Befürchtung, dass er ein klein wenig „gezuckt“ hatte, aber zum Glück waren meine Befürchtungen nicht eingetreten und die Rennleitung hatte keinen Grund, eine entsprechende Strafe zu verhängen. Drossy machte sich dann langsam aber systematisch aus dem Staub und Rocco Berger musste seine Aufmerksamkeit mehr nach hinten lenken, denn da kam Guido Steinmann mit Riesenschritten näher. Dem Guido lief aber die Zeit davon, weil er den Start verschlafen hatte und erst mal von hinten durch Feld musste. Bald hätte es aber geklappt, denn am Strich fehlte im gerade mal ein halbes Auto und er hätte Rocco abfangen können. So gab es nur ein fast „totes“ Rennen um Platz zwei. Maik Thomas und sein Favorit kommen immer besser in Tritt und so war dieses Mal ein schöner vierter Platz schon ein Erfolg. Meine beiden „Oldies“ Werner Liebers und Fritz Berger kennen sich ja schon gefühlte einhundert Jahre, aber wenn diese alten Männer den Helm auf haben und am Gaspedal rumspielen können, mein lieber Mann, da geht noch was. Ihnen folgte Roßner und Lode und dahinter, wie schon im Training der erste Fiat mit Krystof Mencel aus Polen. Jonny Schönfelder und Klaus Pchayek balgten sich mit den kleinen Fiats nach Herzenslust, aber ob es ihnen richtig Spaß gemacht hat wage ich zu bezweifeln.

Das der Sonntag für die HAIGO`s immer der Tag der Besinnung ist, dass sind nun alle schon so langsam gewöhnt, denn die beiden letzten Rennen des Tages sind nun mal für uns reserviert. Warum das so ist, das habe ich schon einige Male erläutert und es wird sich daran auch 2014 nicht viel ändern.
Sonntag – 17:15 Uhr wird die Formel zum Start gerufen und Nils-Holger Wilms hat es in einer Nachtarbeit geschafft, sein defektes Getriebe vom Samstag, dahin gehend zu überreden, dass es wenigstens mit vier brauchbaren Gängen den M 90 antreibt. Wie gut das ging, beweist Platz vier, der von ganz hinten, vom Startplatz 18 aus erreicht wurde. Das Team Schwarze, dessen Sprache ich immer noch beherrsche, weil eben „Arbernmauke“ immer noch Kartoffelbrei heißt, hatte sich für Rennen zwei viel vorgenommen. Der Stachel mit dem Ausfall aus Rennen eins, saß tief und war doch ein herber Rückschlag auf dem Weg zum Gesamtsieg.

Aber unser Dauergast aus Estland hatte alle guten Geister auf seiner Seite und drückte dem zweiten Rennen seinen Stempel auf. Thomas Hoffmann und Falk Schwarze versuchten alles um das zu verhindern, aber Jaak fährt schon seit 1990 mit diesem Estonia 21 und kann auf dem „Instrument“ hervorragend spielen. Bernd Weber hing bis kurz vor Schluß mit drin, war teilweise vorn, musste aber mit technischem Defekt in Runde acht aufgeben. Das ganze Rennen war von einer Safety-Car-Phase geprägt, weil der Motor von Jacky Thalmann die Kopfdichtung ausgespuckt hatte und die Startgerade auf ca. 100 Meter gesäubert werden musste. Alle verhielten sich während der Aktion recht diszipliniert und der Rennleiter hatte keinen Grund Strafen zu verordnen. Ganz anders im Training, da hagelte es Strafen ohne Ende, weil die Regelkunde eben doch noch immer sehr zu wünschen übrig lässt. Das wird sich in 2014 ganz sicher ändern, denn der internationale Auftritt der HAIGO erfordert eben auch entsprechendes Wissen und Verhalten der Fahrer.

Am Ende der „Ölpest“, war Kuul der erste der seinen Rhythmus wieder fand und eilte dem Feld davon. Falk Schwarze war auf Sichtweite, wusste aber ganz sicher, dass dieses Jahr der Pokal nach Estland geht. Auch Thomas Hoffmann musste mit ansehen wie die Meisterschaft entschwindet und noch Meister Nils-Holger Wilms verkaufte sich so teuer wie möglich. Hinter Wilms kam mit nur wenigen Metern Rückstand Tobias Worm über die Linie und auch er kam von ganz dort hinten, weil auch er im Rennen eins ausgefallen war. Silvio Keilig und Micha Hennig dominieren die Easter nach Belieben, aber das wird sich bestimmt bald ändern, denn Ketzmarick und Winter wollen da in Zukunft auch mal ein Wort mitreden.

Wir sind uns alle einig, der Beste war diese Jahr Jaak Kuul und so soll es ja auch sein, der Beste soll auch in Zukunft gewinnen, dafür steht diese HAIGO und dafür werden wir auch in Zukunft stehen.

Wie so oft bei dem ADAC-Master, beschließen die HAIGO-Tourenwagen das Sonntag-Rennen und das war dieses Mal gegen 17:55 Uhr. Natürlich ist das nicht schön, aber schaut euch mal die Kennzeichen der anderen Teilnehmer an, dann könnt ihr in ungefähr einschätzen, wie weit deren Weg nach Hause ist. Die Einzigen die bei uns meckern könnten, das sind die Hoffmanns aus Struth-Helmershof, aber sie tun es nicht, weil sie wissen um was es hier geht.

Zum Lauf zwei der HAIGO-Tourenwagen kann man nur sagen, es wäre egal welches Rennen man sich angesehen hätte. Wieder war der Start von Sebastian Dross ein gewagtes Ding und es ging wieder gut. Der Junge muss eine Reaktion haben wie Sebastian Vettel, den die Vornamen stimmt ja schon mal.

Also Drossy auf und davon, dahinter Rocco Berger und dieses Mal war er von diesen Guido Steinman gewarnt und auf der Hut, es sollte nicht noch einmal so knapp werden. Rocco hatte den Braten gerochen und fand unterwegs irgendwo eine „schnelle“ Abkürzung oder so was ähnliches, denn Guido kam ihm um keinen Meter mehr näher. Dahinter wieder Maik Thomas, Werner Liebers, Fritz Berger, Krystof Mencel und Dieter Hoffmann, der nach seinem kapitalen Motorschaden von Most, mit dem Ersatztriebwerk das ganze Wochenende nur Ärger hatte und die Meisterschaft dadurch in Frage gestellt wurde.

Am Ende, bei der Siegerehrung erhielten wir alle noch ein großes Lob von Christophe Carion, der im Namen der polnischen Fahrer der HAIGO seinen Dank aussprach und einen weiteren gemeinsamen Weg wünscht. Wir werden seinem Wunsch gerne entsprechen.

Stromhardt Kraft